760_0900_102457_ARTango_rdf350_kl_04526.jpg
Das ARTango-Quartett im Heimsheimer Schloss.  Foto: Frommer 

ARTango: Stilsicher durch alle musikalischen Genres

Heimsheim. Das Schlosskonzert von ARTango steht unter dem Motto „Tango goes Classics“. Um Missverständnissen vorzubeugen: Es gibt am Samstagabend noch eine Fülle weiterer musikalischer Spielarten. Die vier Musiker – Thomas Ott (Akkordeon), Helmut Siegle (Kontrabass), Jürgen Häussler (Saxophon) und Michael Nessmann (Gitarre) – belassen es nicht bei klassischer Musik und sehnsuchtsvollem Tango.

Stattdessen reichern sie ihr ohnehin spannendes Crossover an mit Samba, etwas Musette, einer Prise Walzer und mit stets schwungvoll synkopierter Salsa-Rhythmik. Beim letzten Stück des Abends, dem zeitlosen Jazz-Standard „Autumn Leaves“, wie auch bei der Zugabe „Orfeu Negro“ (Original: Luiz Bonfá und Antônio Carlos Jobim), entscheiden sich die Konzertgäste dann spontan dafür, ein Jazz-Publikum zu sein: Es gibt Szenenapplaus für Bassist Siegle, der sich erst hier mit zwei Solo-Fill-Ins von reiner Begleitung verabschiedet.

Zuvor prägen nahezu ausschließlich die melodieführenden Instrumente die Klänge des Abends: Maurice Ravels langsam einsetzender, aber immer schneller werdender Schreittanz „Pavane“ profitiert vom gekonnten Gitarrenspiel Nessmanns ebenso wie Otts Arrangement „Verano Tango“, das auf George Gershwins Evergreen „Summertime“ fußt. Hier wird die Melodie abwechselnd von Konzertgitarre, Akkordeon und Sopransaxophon getragen.

Akustisch deutlich aufgewertet wird Frédéric Chopins „Minutenwalzer“ nicht nur durch die Wegnahme seines starren, aber namensgebenden Zeitrahmens. Bei der instrumentalen Interpretation von „Lascia ch’io pianga“ aus Händels Oper „Rinaldo“ lässt Ott seine ganze Klasse aufblitzen; bei „Salsa-Connection“ (nach Giovanni Battista Viotti) zeigen seine Mimik und Spielfreude, wie sehr er gerade diesen rasanten Rhythmus zu lieben scheint. Im zweiten Set stehen häufig die Klangfarben von Häusslers Sopran- und Tenorsaxophon im Mittelpunkt. Hier zelebriert die seit 19 Jahren bestehende Formation mit schlafwandlerischer Sicherheit die minuziösen Breaks und Stilwechsel des Beethoven-Arrangements „Tangretto“.

Zwei weitere Höhepunkte des Repertoires sind südamerikanisch inspiriert: das Crossover aus Piazzollas „Libertango“ und einer Moll-Sinfonie Mozarts sowie die von Ott zur mitreißenden „Sambanera“ umfunktionierten „Habanera“ aus Bizets Oper „Carmen“.