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Der Künstler Karl Otto Götz 2014 in Duisburg im Museum Küppersmühle vor seinem Kunstwerk „Giverny IIV/1“. Foto: Jan-Philipp Strobel
Der Künstler Karl Otto Götz 2014 in Duisburg im Museum Küppersmühle vor seinem Kunstwerk „Giverny IIV/1“. Foto: Jan-Philipp Strobel
22.08.2017

Abschied vom Meister des Abstrakten - Karl Otto Götz gestorben

Karl Otto Götz war einer der kraftvollsten abstrakten Maler und Wegbereiter der modernen Kunst Deutschlands. Der große alte Meister der deutschen Nachkriegskunst, den alle kurz

K.O. Götz, nannten, ist tot. Er starb am Samstag im hohen Alter von 103 Jahren. In seinem Leben spiegelte sich die von Brüchen und Revolutionen geprägte Geschichte der letzen 100 Jahre wider. Bis kurz vor seinem Tod malte Götz noch mit Hilfe seiner Ehefrau Rissa.

Grundprinzipien der Technik von Götz waren das schnelle Malen und die Rakeltechnik. Berühmt wurde er mit großformatigen, gestischen Schwarz-Weiß-Kompositionen. In ihrer Energie erinnern die abstrakten Bilder von Götz an die Explosion von Materie. „Abstrakt ist schöner“ – so lautete das künstlerische Lebensmotto des Biennale- und documenta-Teilnehmers, dessen stilistische Anfänge nah bei den Surrealisten und Miró lagen. Die späteren Bilder von Götz mit ihren dynamischen gelben, blauen oder roten Farbströmen, Wirbeln und Schlieren wirkten dagegen wie „aufgepeitschter Raum“, so formulierte es sein Freund Edouard Jaguer 1954. Nicht alles überließ Götz dabei dem Zufall. Erst entwarf er das Bild akribisch vor seinem inneren Auge oder mit Skizzen. Dann grundierte er die Leinwand mit Kleister und goss Farbe darauf. In Sekundenschnelle zog er dann einen Rakel darüber, einen Schaber, wie ihn Handwerker benutzen. Schließlich übermalte Götz noch mit einem trockenen Pinsel das Gemalte. „Meine Malerei lebt vom Rhythmus meiner Pinselzüge und Rakelschläge“, sagte Götz einmal. Wie die amerikanischen Künstler des „Action Painting“ bearbeitete er die Leinwand auf dem Boden. Geboren wurde Götz am 22. Februar 1914 in Aachen, noch vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Unter den Nazis hatte Götz wegen seiner Vorliebe für Abstraktes Malverbot. Er war befreundet mit Hans Arp und Otto Dix, dem er mal Jazz-Schallplatten ins Atelier gebracht habe, erzählte er.

Nach dem Zweiten Weltkrieg machte Götz die deutsche Kunst mit seiner abstrakten Malerei wieder international hoffähig. Er war als einziger Deutscher Mitglied der Künstlergruppe CoBrA. 20 Jahre bis 1979 lehrte Götz als Professor an der Kunstakademie Düsseldorf. Seine Schüler Gerhard Richter und Sigmar Polke wurden berühmt. Götz setzte sich auch für Joseph Beuys ein. Als Akademieprofessor ließ Götz seinen Schülern immer freien Lauf. Der Künstler Götz liebte die große Geste, als Lehrer nahm er sich zurück. Bekannt ist seine monumentale Serie „Jonction III“, die er als Reaktion auf den Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 malte.