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Grandiose Stimmen: Erwin Schrott, Angel Blue und Massimo Giordano. Foto: manolo press
Grandiose Stimmen: Erwin Schrott, Angel Blue und Massimo Giordano. Foto: manolo press
01.01.2016

Abschiedskonzert eines großen Klangkörpers

Baden-Baden. 2002 begann die Reihe der Silvesterkonzerte im Festspielhaus Baden-Baden, die seither die SWR-Orchester aus Stuttgart beziehungsweise Baden-Baden und Freiburg im Wechsel bestreiten. Später kam noch die Deutsche Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern dazu. Da 2016 nicht unbedingt sehr rühmlich als Jahr der zweifelhaften Fusion der beiden großen SWR-Orchester in die Rundfunkgeschichte eingehen wird, war der Auftritt des SWR Sinfonieorchesters Baden-Baden und Freiburg beim Silvesterkonzert jetzt auch eine Art Abschiedskonzert nicht nur für das alte Jahr.

Es war auch eines für den Klangkörper, der sich diesmal nicht als das anerkannte Spezialensemble für Neue Musik, sondern nicht minder versiert als agiles Orchester für italienische Oper und leichte Muse präsentierte. Das Orchester hatte ja auch immer mal im Festspielhaus bei Opernaufführungen seine Flexibilität eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

Angel Blue singt „My Fair Lady“

Unter der sicheren und lockeren Leitung von Gérard Korsten waren die instrumentalen Teile des Programms jedenfalls ebenso effektvoll und wohlgefällig wie die natürlich im Zentrum des Konzerts stehenden Gesangsbeiträge. Für die war – wie schon beim Silvesterkonzert vor drei Jahren – ein Trio prominenter Sänger angetreten. Ihr Debüt im Festspielhaus hatte die amerikanische Sopranistin Angel Blue. Sie kommt bereits im Mai bei Boitos „Mefistofele“ wieder. Schon in einer Arie aus Bellinis „I Puritani“ gefiel sie durch perlende Koloraturen, eine sehr feine Linienführung, zarte Tongebung und anmutigen Ausdruck. Im letzten Block zeigte sie mit „Ich hätt getanzt heut Nacht“ aus „My Fair Lady“ auch den idealen leichten Ton für das Musical.

Als Adina aus Donizettis „Liebestrank“ war sie eine launig agierende Meisterin im Stil der Buffa beim Duett mit Erwin Schrott als Dulcamara. Und als ebenso emphatisch singende wie berührend gestaltende Mimì machte sie die Schlussszene des ersten Bildes von Puccinis „La Bohème“ zu einem der Glanzpunkte des Abends. Massimo Giordano, der Des Grieux 2014 in „Manon Lescaut“ in Baden-Baden, war ihr Partner. Seinen beweglichen und höhensicheren, dabei immer klar geführten Tenor setzte der italienische Sänger ebenso prachtvoll in einer Arie aus Verdis „Luisa Miller“, in Cavaradossis „Und es blitzten die Sterne“ sowie dem unverwüstlichen „Granada“ ein.

Erwin Schrott, der kurzfristig eingesprungen war, sorgte erwartungsgemäß für die Showeinlagen der Silvestergala – und das schon beim quasi szenischen Vortrag der Registerarie des Leporello aus Mozarts „Don Giovanni“. Doch daneben zeigte der Bariton aus Uruguay auch in einer Arie aus Verdis „Sizilianischer Vesper“, dass er über ein klangvolles Timbre verfügt und ein packender Sängerdarsteller ist. Am Ende durften seine im Festspielhaus schon bekannten Ausflüge in die südamerikanische Folklore nicht fehlen. Die versetzten das freudig gestimmte Publikum im voll besetzten Haus ebenso in Verzücken wie eine Zugabe mit dem Trinklied aus Verdis „La Traviata“.

GérardKorsten war den Sängern ein anregender Begleiter und setzte facettenreiche Akzente mit dem glänzend spielenden Orchester bei Ouvertüren zu Verdis „Ernani“, Rossinis „Otello“ und Donizettis „Don Pasquale“, dem zart modellierten Intermezzo aus „Cavalleria rusticana“ und mit zündenden Rhythmen aus der Neuen Welt bei „El Salón México“ von Aaron Copland.