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Beton, Leinöl und Grafit sind die Materialien, die Däschner verwendet. Foto: Seibel
Beton, Leinöl und Grafit sind die Materialien, die Däschner verwendet. Foto: Seibel
Landschaft der Serie „Finis Terrae“. Foto: Seibel
Landschaft der Serie „Finis Terrae“. Foto: Seibel
Werke der Reihe „Wirklichkeitsfaltung“. Foto: Seibel
Werke der Reihe „Wirklichkeitsfaltung“. Foto: Seibel
13.01.2017

Achim Däschner und Material Beton – Ausstellung in der Galerie Brötzinger Art

Pforzheim. Achim Däschner spielt. Mit den Urteilen und Vorurteilen des Betrachters, mit dem Raum und vor allem mit dem Material. Wie verblüffend und scheinbar grenzenlos dieses Spiel ist, das lässt sich von heute Abend an in seiner Ausstellung in der Galerie Brötzinger Art erleben. Däschner arbeitet mit Beton. Ein Material, mit dem man gemeinhin graue Tristesse, Schwerfälligkeit und – man denke nur an die Waschbetonplatten der 1960er-Jahre – pure Langeweile assoziiert.

Doch der Karlsruher entlockt diesem Material solch überraschende Facetten, solch malerische Leichtigkeit, dass selbst ein genauer Blick die Ausgangsbasis kaum zu enthüllen vermag.

Wie Däschner das macht? Ziemlich kompliziert und mit einem gehörigen Maß an Forschungsaufwand verbunden. Nehmen wir die Reihe „Finis Terrae“. Was wie klassische Landschaftsmalerei anmutet mit Küsten- und Felsformationen, mit Bäumen und Dolmen ist ein reiner Betonguss. Auf einen Gießgrund bringt Däschner Beton, Stahlschlamm und Säuren auf. Bearbeitet diese Materialmischung mit einem dicken Malerpinsel. Die dadurch entstehenden Formen überdeckt er mit einer grauen Betonschicht. Um nach dreiwöchiger Trockenzeit die Platte erstmals zu drehen und zu sehen, zu welcher Landschaft sich diese Pinsel-Schlieren entwickelt haben. „Ein gezieltes Spiel mit dem Zufall“, sagt der Karlsruher.

Der bestimmt auch seine fantastischen Arbeiten der Reihe „Wirklichkeitsfaltung“. Däschner faltet einen Papierbogen und überzieht ihn mit Beton. Und das scheinbar Unmögliche passiert: Das dünne Papier wellt sich unter dem feuchten Beton, hebt ihn an, versieht ihn mit Struktur. Diese hebt Däschner dann hervor, indem er sie mit Leinöl überzieht. Auch der Ferrobeton, der das Ausgangsmaterial mit samtweich anmutendem Rost durchzieht, ist eine Erfindung aus seinem „Alchemistenlabor“.

Um es mit dem Spiel noch weiter zu treiben: Der studierte Medienkünstler, der sich seit 2003 ganz der Bildhauerei widmet, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Raum. Führt mit seinen scheinbar dreidimensionalen Würfeln den Betrachter in die Irre. Und Däschner stellt mit seiner Kunst auch die Frage, wie sich ein Material verändert, ohne das Material tatsächlich zu verändern. Will heißen: Wie wirkt Beton beispielsweise in Verbindung mit Filz, Holz oder Wachs? Die Antwort findet sich in dieser hochinteressanten Ausstellung. Nicht verpassen!