nach oben
Annette Postel liebt auch im Osterfeld den schrillen Auftritt. Foto: Frommer
Annette Postel liebt auch im Osterfeld den schrillen Auftritt. Foto: Frommer
13.05.2016

Achterbahn der Beziehungen: Annette Postel im Kulturhaus Osterfeld

Pforzheim. Sie stolziert und stöckelt, sie kiekst, gurrt und jodelt, stottert und schimpft: Annette Postel, die gertenschlanke Sopranistin mit Glitzer-Perücke und Zauberstab, gab ihre beliebten Parodien von Couplets, Chansons, Koloraturen und Opern-Ohrwürmern im gut besuchten Kulturhaus Osterfeld zum Besten. Begleitet wurde die groß gewachsene platinblonde Entertainerin vom Rastatter Pianisten Klaus Webel, der nie um eine launig-abschlägige Antworten auf das Werben der Diva um einen WG-Platz in seiner Bleibe verlegen schien.

„Ausziehn . . .“ – der Titel von Annette Postels aktuellem Programm, hätte also eigentlich um die Worte „Einziehn“ und „Umziehn“ erweitert werden müssen, denn Annette Postel zelebrierte die oft bemühte „Achterbahn der Mann-Frau-Beziehungen“ in der zweiten Programmhälfte auch im hauchdünnen Roten oder ganz profan im giftgrünen Bademantel.

Manch schale Pointe

Stimmlich ist die selbst ernannte – und gerade mal wieder verlassene – Liebesglücksfee nach wie vor brillant: Sie überzeugt als enthusiastische Ulk-Sympathisantin des sehr frei interpretierten Figaro und gleich darauf wie als dickbebrillte Carmen oder als schüchterne Lispelmaus mit fazialen Koordinationsproblemen. Trotz ihrer klassisch ausgebildeten Stimme und der gezeigten beeindruckenden Wandlungsfähigkeit hat Annette Postels Programm auch Längen: Der in Pfälzer Mundart gebrabbelten Indianer-Witz beim Programm-Auftakt will beim Pforzheimer Publikum nicht so richtig zünden, die gespielte Suche nach einem feurigen Spanier unter den Männern im Publikum ist auch kein Brüller, und beim Sketch mit einer zum „Plüsch-O-Therapeuten“ hochstilisierten Handpuppe in Gestalt eines schwarzgefiederten Vogels werden auch die Grenzen Postels als Bauchrednerin recht deutlich – trotz geschickter Lichtführung.

Zu ganz großer Form läuft Annette Postel aber bei den insgesamt drei Zugaben auf, die allesamt zünden, von Tango bis zum finalen Chanson „Nur bei Dir bin ich zu Haus‘“ – eine scherzhaft an Pianist Webel adressierte Drohung des baldigen Einzugs der Diva.