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Die Weststadtkantorei hat sich mit dem Lukasorchester unter Karen Kirschenbauer an Bach und Vivaldi gewagt.  Molnar
Die Weststadtkantorei hat sich mit dem Lukasorchester unter Karen Kirschenbauer an Bach und Vivaldi gewagt. Molnar
08.12.2015

Adventskonzert der Weststadtkantorei in der Christuskirche

Pforzheim-Brötzingen. Die Kantate war vor 300 Jahren aus dem Gottesdienst nicht wegzudenken. Auch nicht für Bach: Sonntag für Sonntag musizierte und komponierte er oft eine neue. Die Kirchenkantate „Nun komm, der Heiden Heiland“ (BWV 61) entstand 1714 in Weimar für den ersten Advent. Sie ist mit wenigen Streichern und drei Solisten relativ klein besetzt. In der Brötzinger Christuskirche kam das Werk nun mit der Weststadtkantorei und dem Lukasorchester Pforzheim unter der Leitung von Karen Kirschenbauer zur Aufführung.

Nicht gerade glücklich war dabei der Einschub des Rezitativs und Ariosos „O sel’ger Christ, der allzeit seinen Willen“ aus der Kantate BWV 72, schien die Altistin Susanne Dünnebier damit doch in Artikulation und Intonation etwas überfordert. Einige Sätze gelangen aber gut: Das Bass-Rezitativ „Siehe, ich stehe vor der Tür“ zum Beispiel, das vom Tenor Andreas Linsenmann übernommen und durch rhythmisches Pizzikato begleitet wurde. Vor allem aber gefiel die kraftvolle Aria der Sopranistin Simone Unger-Krystek, deren Stimme sich schön von der dunklen Continuo-Musik abhob.

Ein alter Bekannter an der Orgel

Überhaupt gehörten die Auftritte der Sopranistin zu den Glanzmomenten des Abends. Bei dem insgesamt besser gelungenen Gloria in D von Vivaldi beeindruckte sie mit einem anmutigen „Domine Deus“. Die sanfte Begleitung von Oboe und Basso-Contiuno-Gruppe – unter anderem mit dem ehemaligen Stadtkirchenkantor Christian Stähr als Gast an der Orgel – passte sehr schön dazu. Im Duett „Laudamus te“ konnte auch die Altistin überzeugen. Der Chor öffnete sein Herz bei dem feierlichen Eingangschor mit hoher Trompete, hatte aber seine Schwierigkeiten, sobald nur einzelne Stimmgruppen zum Einsatz kamen – etwa bei dem holprig-leisen Männeranteil im siebten Satz. Mit einer nachdenklichen Lesung von Pfarrer Thomas Müller zu „Der Engel, der nicht singen wollte“ wurde das Adventskonzert ausgeschmückt. Anita Molnar