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Unter der Leitung von Heike Hastedt gelingt dem Oratorienchor zusammen mit der Großen Kurrende, der Jugendkantorei und dem Bachorchester eine präzise Interpretation des weihnachtlichen Klassikers. Foto: Seibel
Unter der Leitung von Heike Hastedt gelingt dem Oratorienchor zusammen mit der Großen Kurrende, der Jugendkantorei und dem Bachorchester eine präzise Interpretation des weihnachtlichen Klassikers. Foto: Seibel
13.12.2016

Adventskonzert des Oratorienchors: Mit beeindruckender Klarheit

Der Oratorienchor feiert einen Erfolg mit seinem Adventskonzert. Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium gelingt auch im Singalong.

Das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach ist eine Herausforderung – insbesondere, wenn das gesamte Werk an einem Abend aufgeführt wird. Es besteht aus sechs Kantaten, die für je einen Gottesdienst an den drei Weihnachtstagen, den Neujahrstag, den Sonntag danach und für das Epiphanias-Fest geschrieben wurden. Während die ersten drei Kantaten beim ersten Pforzheimer Singalong-Konzert am Samstag (siehe Kasten) mitgesungen werden können, erleben die zahlreichen Besucher am Sonntag den kompletten Zyklus.

Hochspannend ist der Moment, bevor die Pauken donnern, die Holzbläser flirren und die Trompeten schallen – und der Chor endlich sein „Jauchzet, frohlocket!“ anstimmt. Zuvor war Dirigentin Heike Hastedt in ihrem violett schimmernden Kleid durch den Mittelgang hereinspaziert, an ihrer Seite der Tenor Hubert Mayer, der als Evangelist weite Teile der dreistündigen Aufführung mit schlanker Stimme meistert.

Beeindruckende Klarheit

Doch zunächst bekommt der Oratorienchor Pforzheim und mit ihm zusammen die Jugendkantorei und Große Kurrende die verdiente Aufmerksamkeit. Mit beeindruckender Klarheit präsentieren die Sänger den Eingangschorus, lassen auch ineinander verzahnte Stimmpassagen transparent erscheinen. Hastedt hat den Chor auf ein hohes Niveau gebracht. Sehr schön sind auch die Choräle.

Die Begleitung übernimmt das erweiterte Bachorchester auf historischen Instrumenten, die stellenweise etwas mehr Pomp vertragen hätte. Gelungen ist die Sinfonia im zweiten Teil. Wunderbar leuchten da die Oboen und Flöten, die im Schlusschoral dieser Kantate wieder auftauchen und ihr eine klare Abrundung verleihen.

Erfreulich ist auch, dass die Bläsersolisten nach vorne zu den Gesangssolisten treten. Seite an Seite musizieren so die Flötistin Heike Nicodemus mit Tenor Hubert Mayer bei der Arie „Frohe Hirten, eilt, ach eilet“. Bei der vom Violinen-Duo (Gerd-Uwe Klein und Martina Bürck) umgarnten Arie „Ich will nur dir zu Ehren leben“ wirkt der Tenor jedoch recht leise und schwächelt in der Tiefe.

Energisch und kraftvoll

Im vierten Teil begleitet an selbiger Stelle die Oboistin Julia Ströbel-Bänsch den Bass Andreas Reibenspies bei der Arie „Erleuchtet auch meine finstren Sinnen“. Die beiden wirken extrovertiert, energisch, kraftvoll. Überhaupt zeigt sich der Bass lebhaft, schwenkt bei der Arie „Großer Herr und starker König“ das Notenbuch, reißt die Augen auf und singt mit markanter Stimme. Manchmal wirkt das ein wenig aufgesetzt.

Die Sopranistin Kirsten Drope, die sich nach der Pause steigert, zeigt sich anfangs recht zart und leicht unsicher neben ihm im Duett. Mit der jungen Sophie Klink, die aus weiter Ferne von der Empore ihr liebliches „Ja“ singt, gelingt Drope aber eine feine „Echo-Arie“ – ein wahres Schmuckstück, das auch so behandelt wird.

Die Altistin Sabine Czinczel strahlt viel Ruhe aus, geht die Koloraturen – zum Beispiel bei der Arie „Schlafe, mein Liebster“ – deutlich und unaufgeregt an. Bei „Bereite dich, Zion“ fehlt indes etwas Wärme im Ausdruck. Bemerkenswert auch die präsent und doch dezent begleitende Continuo-Gruppe mit Barbara Nöldeke (Cello), Sophia Scheifler (Violone), Kord Michaelis (Orgel) und Wolfgang Mücke (Fagott).