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Alfons lässt tief blicken: in sein Leben und seine Gefühlswelt. Foto: Roller
Alfons lässt tief blicken: in sein Leben und seine Gefühlswelt. Foto: Roller
21.10.2016

Alfons im Kulturhaus ist ein Volltreffer auch ohne Puschelmikro

Pforzheim. Nein, er hat kein Puschelmikrofon dabei. Und nein, er stellt dem Publikum auch keine dummen Fragen. Nur die orangefarbene Jacke mit den blauen Streifen, die hat er an. Aber ohne die würde es auch nicht gehen. Denn ohne die wäre Emmanuel Peterfalvi ja nicht Alfons

Bei seinem Auftritt im Kulturhaus Osterfeld zeigt der Franzose eine Seite von sich, die man bisher nicht kannte: Er erzählt von sich, seinem Leben und nimmt die Zuhörer mit auf eine Reise weit zurück in seine Kindheit und Jugend. Damals, als er neun Jahre alt ist, macht seine Schule einen Ausflug ins Pariser Funkhaus, wo er das erste Mal mit dem Fernsehen in Berührung kommt und sofort davon fasziniert ist. Aber weil die schlechte Luft in Paris bei ihm Asthma verursacht, muss er zur Kur auf einen Bauernhof in der Provence. Dort ödet ihn das triste Landleben zunächst an – bis er den verschlossenen Opa Augustin kennenlernt, der für ihn bald zu einem guten Freund wird.

Er baut für ihn sogar den Traktor um, weil der zehnjährige Alfons nicht an die Pedale kommt. Das erste Mal übrigens, dass er verstanden habe, wie Sarkozy sich fühlen muss, wenn er Auto fährt, schiebt Alfons noch grinsend ein, bevor er erzählt, wie er zusammen mit Augustin den Pfarrer geärgert hat, wie er beim Fernsehen in Paris Mireille Mathieu traf und wie er später Ingenieurwissenschaften studierte: „Ich habe da so viel abgeschrieben, in Deutschland hätte ich dafür glatt einen Doktortitel bekommen.“

Später hat Alfons in Paris zusammen mit Freunden einen Piratensender gegründet und ist damit auf Sendung gegangen. Dann erst fiel ihm auf, dass er nicht weiß, was er sagen soll. Quasi Radio ohne Inhalt. „Heute machen das alle so, aber wir waren die Ersten“, erzählt er stolz.

Das Publikum erlebt an diesem Abend einen wundervollen Geschichtenerzähler. Man hört ihm gerne zu und will wissen, wie es weitergeht. Seine Geschichten sind anrührend, weil sie wahr sind. Betroffen macht Alfons zum Schluss, als er erzählt, wie sein geliebter Opa Augustin zu Grabe getragen wird. Vorher hat er ihm noch einen wichtigen Rat gegeben: „Werde, wer Du bist.“

Es ist gut, dass Peterfalvi sich daran gehalten hat. Sonst wäre er wohl nicht der begabte Reporter geworden, der mit seiner sympathischen Art die Absurditäten des Alltags besser entlarvt als so mancher Investigativ-Journalist. Beispiel: die Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn. „Da gibt es Rentner, die noch keine Rentner waren, als sie angefangen haben, ihr Ticket zu ziehen.“

Die ungeschminkte Realität ist eben oft lustiger als jede Satire. Das wird auch in seinen Straßenumfragen und Reportagen deutlich, die mittlerweile jedes Kind kennt. Sie laufen im Fernsehen und sind im Internet aufrufbar. Genau deshalb wäre es nicht unbedingt nötig gewesen, mehrere von ihnen als Film einzuspielen. Am Ende seines zweistündigen Auftritts erhält Alfons vollkommen zu Recht stürmischen Beifall und das Publikum eine Zugabe.