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Allan Harris überzeugt mit seiner butterweichen Stimme. Foto: Roller
Allan Harris überzeugt mit seiner butterweichen Stimme. Foto: Roller
10.05.2017

Allan Harris begeistert mit seiner lockeren Art im „domicile“

Pforzheim. Würde man Allan Harris mit einem Satz beschreiben wollen, dann könnte man mit Recht sagen: Er ist genau so, wie man sich einen typischen Jazz-Sänger vorstellt. Zumindest rein äußerlich: Er trägt einen eleganten Anzug, hat lässig einen schwarzen Hut auf dem Kopf und ist trotz seiner 61 Jahre noch ziemlich locker in der Hüfte. Ständig schnipst er cool mit seiner linken Hand. Wenn man ihm und seiner dreiköpfigen Band am Montagabend im „domicile“ zusieht, dann könnte man tatsächlich glauben, dass Louis Armstrong sein Babysitter war.

Eine schöne Geschichte, die einem im Internet immer wieder über den 1956 in Brooklyn geborenen Musiker präsentiert wird. Ob sie tatsächlich stimmt? Eigentlich auch egal, denn am Montag kommt es allein darauf an, dass Harris gute Musik macht. Und das tut er auf jeden Fall.

Nachdem es beim zurückliegenden Konzert mit Saxofonistin Tia Fuller im „domicile“ etwas rauer zugegangen war, kommt mit Harris die gemächlichere Gangart des Jazz zu ihrem Recht. Wobei schon der Begriff Jazz dem Klang seiner Musik eigentlich nicht ganz gerecht wird. Denn reiner Jazz ist das nicht. Dafür tummeln sich zu viele Blues- und Popanleihen in seiner Musik.

Mal grooven seine Stücke ganz lässig vor sich hin, mal werden sie laut und drängend. Trotzdem wirkt alles unglaublich entspannend. Dazu trägt auch Harris’ butterweiche Stimme bei. Er ist eben der geborene Entertainer.

Weil der Muttertag bevorsteht, bittet er im Publikum die anwesenden Mütter um Handzeichen. Ob es an seinem starken amerikanischen Akzent oder an der Schüchternheit der Zuhörer liegt, dass sich spontan kaum jemand meldet? Egal, Harris hat nämlich ein Lied für seine Mutter geschrieben. Eine ins Funkige gehende Nummer mit raffinierten Tempo- und Taktwechseln.

Hervorragende Musiker

Er schüttelt sie genauso locker aus der Hüfte wie den Rest seiner Stücke. Aber mal ganz ehrlich: Harris wäre nur halb so gut ohne seine Band. Besonders auffällig ist Miki Hayama am Klavier. Nicht, dass Paco Perera (Kontrabass) und Shirazette Tinnin (Schlagzeug) nicht auch hervorragende Musiker wären, aber sie bleiben im Hintergrund, während Pianistin Hayama in ausgedehnten Soli überzeugt. „Can’t she play?“ („Kann sie spielen?“), fragt Harris wohl mehr rhetorisch, und das Publikum spendet tosenden Beifall. Das tut es an diesem Abend übrigens noch öfter.