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Sabine Kühlich (rechts) scheint ganz entzückt: Der Sänger Darmon Meader kann auch Saxofon spielen.  Recklies
Sabine Kühlich (rechts) scheint ganz entzückt: Der Sänger Darmon Meader kann auch Saxofon spielen. Recklies
25.05.2016

Allein unter Frauen

Pforzheim. Die Gäste, die im vergangenen Jahr dabei gewesen sind, als im Brötzinger Jazzclub „domicile“ die erste „Lines for Ladies“-CD aufgenommen wurde, hätten sich sicher auf ein Wiedersehen mit der US-amerikanischen Bebop-Sängerin Sheila Jourdan gefreut. Aus gesundheitlichen Gründen hat die 87-Jährige aber auf die Teilnahme an der jüngsten Tour verzichtet. Schon im Herbst will sie aber wieder mit Anne Czichowsky und Sabine Kühlich sowie Laia Genc auf der Bühne stehen.

„Die Flüge sind schon gebucht“, sagt die Sängerin und Altsaxofonistin Sabine Kühlich. Und sie hat für Sheila auch einen neuen Text auf einen Song von Charly Parker geschrieben. Die Komposition erzählt von den Eigenheiten der Jazzlegende und wird so zum musikalischen Gruß der Formation, die an diesem Abend mit der Kontrabassistin Kristin Korb und dem New-York-Voices-Sänger Darmon Meader zum Quintett gewachsen ist. Es sei überhaupt die erste Tournee, die Jourdan in ihrer mehr als 70-jährigen Bühnenkarriere absagt, erzählt der „domi“-Chef Axel Klauschke. Er ist nach dem Soundcheck aber überzeugt, dass die verbliebenen Musiker ein nicht minder hörenswertes Konzert geben: „Der kann singen“, attestiert Klauschke.

Es dauert nicht lange, dann beweist Meader – kurzfristig für Jourdan eingesprungen – dass Klauschke nicht ohne Grund das Lob vorweg geschickt hat. Nicht zuletzt mit seiner Version von Chick Coreas „Spain“ gelingt es dem aus New York City angereisten Meader, im Zusammenspiel mit Korb und Genc das Publikum zu begeistern.

Hard Bop und Bebop gibt es zu hören, Balladen und treibende Liebeslieder, wobei sich alle Interpreten gleichermaßen scattend oder singend in Szene setzen – garniert von feinen Bassläufen Kristin Korbs und dem variantenreichen Klavierspiel Laia Gencs. Dazu beweisen Kühlich und Meader auch noch, dass sie nicht nur vokal brillieren, sondern auch das Saxofonspiel hervorragend beherrschen. Mal tönen Klänge aus der Feder Dizzy Gillespies von der Bühne, mal ist es eine Komposition George Gershwins, die da in Neubearbeitung erklingt. Besonderes erleben die Zuhörer aber, als Dude Persons „Idle Moments“ von dem Quintett interpretiert wird. Unterstützt von Meader am Saxofon, zelebrieren die vier Jazzladies kurz vor Schluss die Langsamkeit in so wunderbarer Weise, dass es den meisten Zuhörern geht wie der Bandleaderin Czichowsky. Sie gesteht zum Ende des vom Publikum zu Recht gefeierten Programms: „Von mir aus könnte es jetzt auch wieder von vorne losgehen.“ Die Zuhörer hätten da sicherlich ebenfalls nichts dagegen einzuwenden gehabt.

Ralf Recklies