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28.09.2015

Allotria Jazzband begeistert zum dritten Mal im Sparkassenhaus und macht damit dem scheidenden Vorstand – Von Ragtime bis zu Dixieland und SwingHans-Heiner Bouley eine große Freude

Zu seinem Abschiedskonzert wollte er es noch einmal krachen lassen – der scheidende Sparkassenvorstand Hans-Heiner Bouley. Nahezu 30 Konzerte hat er zusammen mit Organisatorin Martina Bieringer im Sparkassenhaus veranstaltet, nur zwei davon nicht anmoderiert. „Das Haus kommt weg, wenn er geht“, zeigte sich Bandleader Rainer Sander mit einem Augenzwinkern froh, dass sie hier noch einmal spielen durften.

Sie – das sind noch Menno Daams und Andrey Lobanov (Trompeten), Mathias Götz (Posaune), Thilo Wagner (Klavier), Peter Cischeck (Kontrabass) sowie Gregor Beck (Schlagzeug) von der bekannten Allotria Jazzband aus München. Bereits zum dritten Mal gastierte die 1969 gegründete Gruppe im Sparkassenhaus. Vor 380 Zuschauern präsentierte die Band klassischen Jazz vom Ragtime bis zum Dixieland und Swing – und hielt, was sie versprach: „Sie werden uns heute richtig kennenlernen“, hieß es vor dem Auftritt. Schon beim zweiten Titel, „Struttin With Some Barbeque“, waren die Herren so in Stimmung, dass ihre Solodarbietungen beinahe einem Wettkampf glichen. Der Pianist vibrierte, der Trompeter jubilierte, der Bassist zupfte sich die Seele aus dem Leib. Noch intensiver zeigte sich diese Spielfreude bei „King Porter Stomp“, einem flotten Jazzstandard, bei dem automatisch alles mitzuckte. Flippig gab sich vor allem der Älteste, Klarinettist Rainer Sander (70): Mit zugekniffenen Augen ließ er seine Finger auf- und abwärts schnellen, wie ein wild gewordener Insektenschwarm.

Glänzend raubeinig und satt dagegen die Einlage des jüngsten Bandmitglieds, des Posaunisten Mathias Götz. Dass der 30-Jährige aber auch samtweiche Klänge zaubern kann, bewies er bei „Stars Fell On Alabama“. Schwungvolle Musik aus der Benny-Goodman-Ära des Swing durfte natürlich nicht fehlen, so zum Beispiel „Air Mail Special“ oder das weltberühmte „Sing Sing Sing“ vor der Pause, bei dem nicht nur der Schlagzeuger seinen großen Einsatz bekam, sondern auch endgültig der Funke aufs Publikum übersprang. Im zweiten Set berührte vor allem der holländische Trompeter Menno Daams. Er hat nur noch einen Arm, dafür aber ein großes Feingefühl, mit dem er den „September Song“ im Duo mit dem Pianisten ausdrucksstark zur Geltung brachte.

Sein aus Nowosibirsk stammender Bläserkollege Lobanov bestach bei seinen Improvisationen durch einen ganz eigenen Stil, steigerte die Töne – mit emporgerecktem Trichter – zu strahlender Höhe. Ein spritziges Finale, bei dem alle noch einmal leidenschaftlich klimperten, schlugen, bliesen und zupften, gelang der Allotria Jazzband mit „Jumpin’ At The Woodside“ und einem sanften Abschiedsgruß mit „Ev’ry Time We Say Goodbye“. Anita Molnar