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Gerald Finley 

„Alpensinfonie“ bei Osterfestspielen ein grandioses Panorama

Baden-Baden. Bei Schubert-Liedern denkt man immer an eine Sängerin oder einen Sänger mit Klavierbegleitung. Für diese Besetzung hat Franz Schubert seine Lieder komponiert, aber es gibt eine Reihe von Bearbeitungen für Orchester von anderen Komponisten. Ein paar davon stellten der kanadische Bariton Gerald Finley und die Berliner Philharmoniker im Rahmen der Osterfestspiele im Festspielhaus Baden-Baden vor. Mit seiner metallisch glänzenden Stimme hatte er keine Mühe, über den Orchesterklang zu kommen.

Dramatische Akzente setzten die Berliner Philharmoniker in Max Regers orchestrierter Fassung von „Prometheus“, Gerald Finley besang kraftvoll die Auflehnung des Titelhelden gegen die Götter. An eine Orchesterfassung des bekannten „Erlkönig“ hatte sich Hector Berlioz gewagt. Finley gestaltete die gruselige Geschichte sehr spannend, mit unterschiedlichen Stimmfarben für die drei Charaktere, die auf diese Weise lebendig wurden: das Kind mit seinen Fieberträumen, der fahl klingende Erlkönig als Symbol des Todes, und der Vater, der versucht, das Kind zu beruhigen.

Aus Schuberts kaum bekanntem Oratorium „Lazarus oder die Feier der Auferstehung“ stammt die düstere Szene, in der Simon sich auf dem Friedhof wieder findet und Angst vor dem Tod bekommt. Finley und die Berliner Philharmoniker zeichneten die wechselnden Stimmungen nach, von Grauen zu einem kurzen Hoffnungsschimmer. In sich ruhend, gaben der Sänger und das Orchester Stücke wie „An die Musik“ und das Lied „Du bist die Ruh“.

Unter der engagierten Leitung von Daniel Harding, der sein Handwerk bei Simon Rattle und Claudio Abbado gelernt hat, widmeten sich die Berliner Philharmoniker der „Alpensinfonie“ von Richard Strauss. Dieses Stück kann man als musikalische Schilderung einer aufregenden Gipfeltour hören, oder als Lebenswanderung sehen, in der sich Licht und Schatten, Gefahr und Rettung, abwechseln. Die Berliner Philharmoniker schufen daraus ein grandioses orchestrales Panorama, das in allen Klangfarben glühte.

Durch die abwechslungsreichen Tempi und die vielen feinen Abstufungen in der Lautstärke illustrierte das Orchester die unterschiedlichen Abschnitte. Zart wurden die idyllischen Momente ausgemalt, wild bewegt die Irrwege musiziert, und der Blick vom Gipfel aus in üppig strahlender Klangpracht zelebriert. All die verschiedenen Szenen, die der Komponist in diesem Stück beschwört, verbanden Harding und das Orchester zu einem großen Spannungsbogen, der das Publikum gefangen nahm.