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Isst erst mal ein halbes Hähnchen: Arnulf Rating hat Hunger. Foto: Meyer
Isst erst mal ein halbes Hähnchen: Arnulf Rating hat Hunger. Foto: Meyer
23.02.2018

Altmeister des politischen Kabaretts: Arnulf Rating rast im Kulturhaus Osterfeld durch sein Programm

Pforzheim. Scheinbar gehetzt stürmt Arnulf Rating mit zwei silbernen Koffern und einer Einkaufstüte im Kulturhaus Osterfeld auf die Bühne. Er sei mit dem Zug nach Pforzheim gekommen und spät dran. Weil er den ganzen Tag nichts gegessen hat, verspeist er erst mal ein halbes Hähnchen, um mit vollem Mund über Massentierhaltung und Veganer zu schimpfen. Appetitlich ist das nicht, passt aber zum Konzept.

Seit mehr als 25 Jahren ist der 66-Jährige solo auf den Bühnen unterwegs. Sein neues Programm „Tornado“ ist einerseits eine schöne Reminiszenz an seine Anfänge in den späten 1970er-Jahren, als er in Berlin die anarchistische Kabarettgruppe „Die drei Tornados“ mitgründete. Und es spielt auf die atemberaubende Geschwindigkeit an, mit der Ratings massiver Redeschwall durchs Publikum fegt. In den etwa zweieinhalb Stunden gibt es keine Erholung.

Gleich zu Anfang wirft er die Pforzheimer Ergebnisse der Bundestagswahl auf eine Leinwand. „Was haben Sie sich dabei gedacht?“ fragt er angesichts der hohen Werte von AfD und FDP. Eigentlich habe er seinen Auftritt deshalb absagen wollen. „Im Ernstfall wissen die Leute eben, sie können stramm nach rechts laufen.“ Zumal man nach Kriegen auch immer wieder was aufbauen könne. Dann erklärt der Kabarettist die Dramen der Demokratie.

Über weite Strecken tut der Mann in Nadelstreifenanzug und roten Lackschuhen das, was man von ihm kennt, und auch andere Kabarettisten heute gerne tun. Getreu dem Motto „Der Schnee von gestern kann die Lawine von morgen sein“ kramt Rating Zeitungen hervor und kommentiert anhand der Schlagzeilen das Zeitgeschehen – auch aus der PZ. „Ich wusste gar nicht, dass man über Pforzheim so viel schreiben kann“, sagt er mit Blick auf den Umfang. Bissig und ironisch, scharfsinnig und mit Sprachwitz geht es um Terrorangst („Eltern mit mindestens drei Kindern – das sind Terrorexperten“), Horror-Clowns, militante Radfahrer, billige Lebensmittel, Mülltrennung („Wegschmeißen und sortieren, da sind wir dabei“), Ehe für alle, die Atlantik-Brücke und was das ständige „Wischen an der Oberfläche“ auf Smartphones mit uns macht. Der Altmeister des Kabaretts hätte an diesem Donnerstagabend im Osterfeld gewiss mehr Zuschauer verdient gehabt.