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Wie im Schwarz-Weiß-Film: „Witwe“ (Kirsten A. Lange) und Verteidiger.  ft
Wie im Schwarz-Weiß-Film: „Witwe“ (Kirsten A. Lange) und Verteidiger. ft
05.12.2016

Amüsante Leichtigkeit: „Hokuspokus“ von Curt Goetz

Mühlacker. Seine mehrfach verfilmten, mit schwarzem Humor ausgestatteten Komödien sind auch heute noch von keiner Boulevard-Bühne wegzudenken. Er gilt als Meister witziger Dialoge und frivoler Plauderei: Curt Goetz. Die Aufführung seines Erfolgsstücks „Hokuspokus“ im Mühlacker Uhlandbau mit dem Tournee-Ensemble „Filmtheater“ bestätigte die genannten Qualitäten.

Kristallisationspunkt der Handlung ist die attraktive Frau Agda, die ihren eifersüchtigen Mann, einen erfolglosen Kunstmaler, wegen eines Geliebten bei einem Bootsausflug ermordet haben soll. Obwohl sie nur wenige Spielanteile hat, schafft es Kirsten Annika Lange als schwarze Witwe mit lächelndem Charme und Bühnenpräsenz alle Blicke auf sich zu lenken. Die eigentliche Mittelpunktsfigur des Stücks ist der Gerichtspräsident, der den Prozess zu leiten hat. Dirk Volpert verkörpert diese zentrale Rolle mit darstellerischem Esprit und Lässigkeit. Er verwickelt die vermeintliche Witwe in Widersprüche, kann ihr aber die Tat nicht beweisen. Regisseurin Saskia Leder baut in ihrer Inszenierung um den Part des Gerichtspräsidenten geschickt kriminalistische Spannung auf, ohne die übrigen Mitwirkenden in den Schatten zu stellen.

Souverän und überzeugend das mit unterkühlter Schärfe vorgetragene Plädoyer des Staatsanwalts (Markus Veith), der Agda für schuldig hält. Ziemlich gekünstelt spielt dagegen Dirk Hermann den umtriebig-mysteriösen Verteidiger, der schließlich in irrwitzigen Handlungssprüngen als der Geliebte der Angeklagten und schlussendlich als ihr keineswegs ermordeter Gatte enttarnt wird.

Unklarheiten und Rätsel der „Hokuspokus“-Handlung werden durch Slapstick-Beiwerk veralbert, für das vor allem in unterschiedlichsten Knallchargen-Rollen Joeri Burger verantwortlich zeichnet. Wie in alten Filmen sind Bühne und Kostüme in Schwarz-Weiß-Farbtönen gehalten, die Gesichter der Mimen maskenhaft weiß geschminkt. Alles in allem zeichnete eine amüsante Leichtigkeit den Theaterabend aus, an dem das als „Geschworenen-Bank“ mitspielende Publikum großen Gefallen fand.