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Nils Nolte, Michael Poelchau und Greg Ostermann (von links) von An Tor. Roller
Nils Nolte, Michael Poelchau und Greg Ostermann (von links) von An Tor. Roller
17.11.2016

„An Tor“ begeistern: traditionelle Musik mit modernem Einschlag im Gasometer

PFORZHEIM. Für die Zuhörer ist dieser Abend eine wahre Herausforderung. Im positiven Sinn. Denn bei über sechs Millionen Tönen bleibt ihren Ohren kaum genug Zeit, um sich zu entspannen. Die fünf Musiker von „An Tor“ spielen bei ihrem Auftritt im Keller des Pforzheimer Gasometers ein Stück nach dem anderen, gönnen sich nur selten eine Verschnaufpause und überzeugen fast zwei Stunden lang mit einer hervorragenden Spieltechnik.

Volkstanz bis Ballade

Sie haben vor allem traditionelle irische Folkmusik im Gepäck, der sie geschickt ihren eigenen, zeitgenössischen Stempel aufdrücken. Es ist Musik, die aus allen Winkeln der Grünen Insel stammt. Schmissige Volkstänze bekommt das Publikum genauso zu hören wie gefühlvolle Balladen, die Sänger Nils Nolte mit seiner warmen, erdigen Stimme ausgezeichnet intoniert. Vor allem hat er eine deutliche Aussprache und gehört nicht zu den Sängern, die so tun, als könnten sie besonders gut Englisch, und die Hälfte des Textes vernuscheln. Apropos: In den Texten geht es um kulturelle Verbindungen zwischen Irland und Schottland, um einen Ehemann, der auf der Hochzeit einer Frau ist, die er selbst gern geheiratet hätte. Lässig stehen die fünf Musiker auf der Bühne, halten ihre Instrumente in der Hand und lassen ihrer Spielfreude freien Lauf. Wenn man ihnen zuhört, denkt man sofort an grüne Wiesen, schroffe Küsten und urige Pubs.

Es ist fast wie eine kurze Reise mitten hinein in das musikalische Herz Irlands. Das liegt vor allem an dem authentischen Klang ihrer Instrumente, die alles andere als gewöhnlich sind. Da wäre die Button Box vom fingerfertigen Greg Ostermann, die ein bisschen so aussieht wie ein Akkordeon und auch so ähnlich klingt. Oder die Bouzouki von Klaus Kirchhof, die, brillant gespielt, einen offenen, metallisch-klaren Klang erzeugt. Noten brauchen die fünf Musiker nicht, denn die Melodien ihrer Stücke haben sie im Kopf und den Rhythmus im Blut. In den Proben, da experimentieren sie so lange mit unterschiedlichen Akkorden, Klangfarben und Melodien, bis ihnen der Klang gefällt, erklärt Gitarrist Marcus Metz. Er selbst sei schon oft in Irland gewesen. Wie oft, das kann er so genau nicht sagen. „35-mal“, schätzt er. Und auch seine Bandkollegen statten der Insel hin und wieder einen Besuch ab. Dann spielen sie nicht als Gruppe zusammen, sondern nehmen jeder für sich an Sessions in urigen Pubs teil. Das sei eine gute Quelle der Inspiration für ihre eigene Musik, so Metz. Nico Roller