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In wenigen Tagen werden im Dolby Theatre in Los Angeles die Oscar-Trophäen verliehen. Foto: dpa/Pizzello
In wenigen Tagen werden im Dolby Theatre in Los Angeles die Oscar-Trophäen verliehen. Foto: dpa/Pizzello
20.02.2019

„And the winner is...“: Spannung vor der großen Gala

Los Angeles. Eine aufregende und vielfältige Gala haben die Produzenten für die Nacht auf kommenden Montag versprochen. Doch im Vorfeld der Show gab es mehr ungewolltes Drama als geplant. Bis zuletzt häuften sich die Schlagzeilen, Stars liefen Sturm.

Prominente Filmschaffende wie Quentin Tarantino, Glenn Close und George Clooney protestierten lautstark gegen Pläne der Filmakademie, einige Trophäen in den Werbepausen der Gala zu verleihen, um die Show damit kürzer zu halten. Nach einem zähen Hin und Her lenkten die Oscar-Bosse ein – alles werde im traditionellen Format über die Bühne gehen.

Von wegen Tradition: Erstmals seit 30 Jahren fehlt ein Gastgeber, der die Show mit witzigen Einfällen lenkt. US-Komiker Kevin Hart war nach einer Kontroverse um schwulenfeindliche Bemerkungen abgesprungen. Jetzt sollen Star-Präsentatoren die Lücke füllen, darunter Charlize Theron, Javier Bardem und Daniel Craig.

Spannung ist garantiert, denn auch bei den Gewinnern ist vieles offen. Es scheint auf ein enges Rennen mit vielen Überraschungen hinauszulaufen. Die Favoriten sind „Roma“ und „The Favourite – Intrigen und Irrsinn“ mit je zehn Gewinnchancen, beide räumten schon bei den britischen Baftas ab. Der Gegensatz zwischen den Werken könnte nicht krasser sein.

In dem in Schwarz-Weiß gedrehten Netflix-Drama „Roma“ erzählt Oscar-Preisträger Alfonso Cuarón die sehr persönliche Geschichte einer Familie im Mexiko der 1970er-Jahre. Alleine Cuarón könnte vier Trophäen stemmen – als bester Regisseur, für Kamera, Original-Drehbuch und als Produzent des besten Films. „Roma“ würde Hollywood-Geschichte schreiben, falls es den Top-Preis als bester Film und zugleich den Auslands-Oscar holt. Das hat zuvor noch kein „nicht-englischsprachiger“ Film geschafft.

Das Jahr der Superhelden?

Schrill und bunt geht es dagegen in der Historien-Groteske „The Favourit“ über Intrigen am Hof der britischen Queen Anne Stuart zu. Der griechische Regisseur Yorgos Lanthimos setzt auf schräge Charaktere und sein geniales Frauen-Trio Olivia Colman, Rachel Weisz und Emma Stone.

Insgesamt haben acht Werke Chancen auf den Top-Preis. Gute Karten hat etwa die Tragikömodie „Green Book – Eine besondere Freundschaft“ mit Viggo Mortensen und Mahershala Ali. Die Filmbiografie holte kürzlich den renommierten US-Produzenten-Preis. Dessen Sieger gewinnen oft auch den Oscar. Oder ist es das Jahr der schwarzen Superhelden? Mit dem Blockbuster „Black Panther“ brachte es zum ersten Mal in der Oscar-Geschichte eine Comicbuch-Verfilmung zu einer Nominierung in der Spitzenkategorie, wo auch „A Star Is Born“, „Bohemian Rhapsody“, „Vice: Der zweite Mann“ und „BlacKkKlansman“ mitmischen.

Noch vor drei Jahren stand die mangelnde Vielfalt der Nominierten am Pranger, jetzt gibt es keine Empörung über „weiße“ Oscars. Das schwarze Multitalent Spike Lee (61, „Jungle Fever“, „Malcom X“) holte mit dem Rassismus-Drama „BlacKkKlansman“ seine erste Oscar-Nominierung als Regisseur. Diese Sparte ist aber auch in diesem Jahr reine Männersache.

Deutsche Hoffnungen

Auch deutsche Filmfans können der Gala entgegenfiebern. Mit dem Künstlerporträt „Werk ohne Autor“ könnte Florian Henckel von Donnersmarck (45) den zweiten Auslands-Oscar nach Deutschland holen. In der Sparte beste Dokumentation ist „Of Fathers And Sons – Die Kinder des Kalifats“ des aus Syrien stammenden und in Berlin lebenden Regisseurs Talal Derki unter den fünf Anwärtern.

Hollywoodlegende Glenn Close (71) sollte auf alle Fälle eine Rede parat haben. Mit ihrer bewegenden Hauptrolle in „Die Frau des Nobelpreisträgers“ gilt sie als klare Favoritin – es wäre ihr erster, überfälliger Oscar-Triumph. Der scheint auch Rami Malek (37) fast sicher, nachdem der US-Schauspieler als Queen-Sänger Freddie Mercury in „Bohemian Rhapsody“ bereits bei den Golden Globes und Bafta-Preisen abgeräumt hat.

Kurz, knackig und von Herzen sollen die Dankesreden sein: Wenn ihr Name fällt, haben die Anwärter nur 90 Sekunden Zeit, vom Gang auf die Bühne bis zum „Thank You“. Fast vier Stunden zog sich die Show zuletzt hin. Diesmal soll es straffer zugehen.

Holt Donnersmarck in Hollywood erneut Gold?

Florian Henckel von Donnersmarck sticht hervor. Als sich kürzlich mehr als 170 Oscar-Anwärter für ein Gruppenbild aufstellten, ragte er mit seinen über zwei Metern Größe über die Köpfe seiner Kollegen heraus. Nun könnte der deutsche Regisseur und Drehbuchautor noch weiter über sich hinauswachsen und Oscar-Geschichte schreiben. Sein Erzählkino im Stil großer Hollywooddramen kommt in den USA gut an.

Der 45-jährige gebürtige Kölner hat Chancen auf seinen zweiten Oscar. Sein Künstlerporträt „Werk ohne Autor“geht für Deutschland ins Rennen um den Goldjungen in der Sparte „nicht-englischsprachiger Film“ – zwölf Jahre nach seinem Triumph mit dem Stasi-Drama „Das Leben der Anderen“. Bisher ist es noch keinem Regisseur geglückt, zwei Auslands-Oscars nach Deutschland zu holen.

2007 war Donnersmarck mit seinem Debüt-Spielfilm angetreten. Über Nacht wurde der Newcomer zum gefeierten Nachwuchskünstler.

„Werk ohne Autor“ ist ein bildgewaltiges Epos über den Findungs- und Schaffensprozess eines Künstlers, inspiriert vom Leben des Malers Gerhard Richter. Der Film ist auch für die Kameraarbeit des Hollywood-Veteranen Caleb Deschanel (74, „Der Patriot“, „Die Passion Christi“) nominiert. Und wie geht Donnersmarck seine zweite Filmpreis-Saison an? „Ich bin da gelassen“, versichert der Regisseur. „Ich bin ein optimistischer Mensch – aber nur für Sachen, die ich kontrollieren kann. In Dingen, die ich nicht kontrollieren kann, gehe ich immer von einem schlechtesten Resultat aus beziehungsweise von gar keinem.“