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Andreas Kümmert und Keyboarder Sebastian Bach bescheren den rund 500 Zuhörern in Mühlacker ein beeindruckendes Konzert.  Frommer
Andreas Kümmert und Keyboarder Sebastian Bach bescheren den rund 500 Zuhörern in Mühlacker ein beeindruckendes Konzert. Frommer
29.03.2016

Andreas Kümmert im ausverkauften Mühlacker Uhlandbau bejubelt

Seine Stimme ist eine Urgewalt. Sobald Andreas Kümmert zu singen beginnt, bebt der Saal. Auch der restlos ausverkaufte Uhlandbau in Mühlacker macht da keine Ausnahme. Äußerlich mehr Roadie als Star, kommt Andreas Kümmert (29) einfach auf die Bühne, greift kommentarlos zur Gitarre, klemmt den Kapodaster hinter den sechsten Bund und lässt ganz einfach die Qualität seiner unbändigen Reibeisenstimme für sich sprechen. Rau, von Beginn an unverwechselbar und jederzeit mächtig.

Breites stilistisches Spektrum

Dennoch wirkt Kümmert ernst und angespannt. Sein Blick geht ins Leere, zur Decke. Er wirkt gehetzt, spult die ersten Songs ab, als gelte es, Joe Cocker und Bachman Turner Overdrive in einem Aufwasch und ein für alle Mal auszustechen. Augenkontakt oder den Dialog mit dem Publikum sucht der stimmgewaltige Musiker aus der tiefsten unterfränkischen Provinz nur selten, anfangs gar nicht. Bass und Schlagzeug braucht er nicht. Dafür aber den Keyboarder Sebastian Bach, der ab dem zweiten Titel rhythmisch synkopierte Tastenkunst beisteuert und einer langen Reihe von Kümmerts faszinierend dargebotenen Balladen wohldosiert und gekonnt die zweite Stimme leiht.

Spätestens jetzt ist der Saal ganz da. Den nächsten Song – „Peaceful Easy Feeling“ – und eine der wenigen Ansagen des Abends widmet Andreas Kümmert dem Mitte Januar verstorbenen Eagles-Gründer Glenn Frey. Das vor allem von Joe Cocker bekannt gemachte „Feelin’ Alright“ folgt. Andreas Kümmert reißt eine Saite – unbeeindruckt entlockt er der waidwunden Gitarre dennoch das komplette Solo zu „Found My Way To You“.

Humorig lässt er das Publikum im Uhlandbau wissen: „Das nächste Stück hat so ’ne Art Interaktionspart. Aber ich sag’ dann noch mal Bescheid.“ Braucht er gar nicht, den Refrain des Bee-Gees-Klassikers „To Love Somebody“ singt der Saal auch so – und zunehmend lauter – mit.

Die zweite Konzerthälfte beschließt das Duo mit „Heart Of Stone“, also mit dem eigenkomponierten Song, der Andreas Kümmert die Teilnahme am Eurovision Song Contest gebracht hätte, wäre er nicht selbst auf die „Notbremse“ gestanden. „Null Bock auf albernes Drumherum“ hätte er gehabt, sagt Kümmert mit Blick auf seine ESC-Absage. Scheint ganz so, als hätte der sensible und unangepasste Unterfranke für sich die richtige Entscheidung getroffen. Vom damals Erstplatzierten Måns Zelmerlöw hat man seither nicht mehr viel gehört. Während Andreas Kümmert bei den umjubelten Zugaben in Mühlacker – „Nothing From Nothing“ (Billy Preston), „Fly Me To The Moon“ (Frank Sinatra) und „Rocket Man“ (Elton John) – knapp 500 Zuhörern nochmals sein ganzes musikalisches Können eindrucksvoll demonstriert.