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Sieht sich einer Kampagne der Rufschädigung ausgesetzt: Andreas Mürle bittet um einen Aufhebungsvertrag als geschäftsführender Vorstand. 

Andreas Mürle zieht die Reißleine: Vorstand des Kulturhauses Osterfeld scheidet aus

Pforzheim. Am Montag hatte er noch das Sommerprogramm präsentiert. Gestern Abend teilt der Trägerverein des Kulturhauses Osterfeld mit, dass Andreas Mürle zum 31. Juli um einen Aufhebungsvertrag gebeten hat. Mit seinen Impulsen polarisierte er offenbar zu stark. In den letzten Monaten wurde zunehmend deutlich, dass er die beiden das Haus tragenden Ur-Vereine, den Penn-Club 2000 und den 130 Mitglieder starken Amateurtheaterverein Pforzheim, nicht mehr geschlossen hinter sich hat. Andreas Mürle (Erster Vorsitzender) und Petra Keiderling-Schlegel (Kassenwartin) treten zudem mit sofortiger Wirkung von ihren Vorstandsämtern im Penn-Club zurück.

Damit soll dem Kulturhaus ein Dauerkonflikt erspart werden, heißt es in der Mitteilung. Aus Gründen der Selbstachtung bleibe den beiden keine andere Wahl, um die gegen ihre Person gerichtete rufschädigende Kampagne zu beenden.

Mürle spricht gegenüber der PZ von Populismus und Fake News in Bezug auf seine Person. Dies habe nun eine Zuspitzung erfahren, die er dem Haus und auch sich selbst gegenüber nicht mehr verantworten könne. „Da werden Grenzen überschritten.“

Zwar ist immer wieder zu hören, das Osterfeld sei nach Corona-Ausbruch im Vergleich zu anderen Häusern zu lange „untergetaucht“. Dass es vor dem Ruin stehe, er als Wirtschaftsingenieur aus der Logistikbranche zu wenig von Kultur verstehe und in der Künstlerbranche schlecht vernetzt sei, sind für Mürle Beispiele dieser Fake News. „Ich bin in dem Haus seit 23 Jahren aktiv, habe unter dem Gründer Gerhard Baral gelernt“, so Mürle. Und das Osterfeld sei sei trotz Pandemie eben nicht untergegangen. Zumal er im Team zukunftsfähige Strukturen erarbeitet habe. „Die Mitarbeiter des Kulturhauses stehen hinter mir.“

Mit der Aufgabe ihrer Vorstandsämter machen Mürle und Keiderling-Schlegel den Weg frei für einen Neuanfang auch beim Vorstand des Trägervereins. Somit wird sich der vierköpfige Vorstand und die Mitgliederversammlung des Kulturhaus Osterfeld e.V. auf der Jahreshauptversammlung, die am 3. August stattfinden soll, personell vollkommen neu zusammensetzen, da wie berichtet auch die bisherigen Vorstandsmitglieder des Amateurtheaterverein ausscheiden werden. Auf das Urgestein Reinhard Kölmel folgt Alexander Weber.

Das Osterfeld steht nach Renten, Elternzeiten und Leitungswechseln ausgerechnet in Corona-Zeiten, die mit massiven Einschränkungen und Auflagen gerade Kultureinrichtungen schwer zu schaffen machen, vor weiteren Umbrüchen. Diese deuteten sich personell bereits im Frühjahr mit dem Weggang des langjährigen Technischen Leiters Frank Willmann an. Dem Vernehmen nach habe zwischen ihm und Mürle die Chemie nicht gestimmt.

Mürle ist seit April 2019 geschäftsführender Vorstand, nachdem er das Osterfeld interimsmäßig nach gescheiterten Ausschreibungen von der Vorgängerin Maria Ochs übernommen hatte. Er vereinfachte Abwicklungen im Veranstaltungsmanagement, wollte das Angebot vor allem bei der jungen Zielgruppe bekannter machen, in seiner Breite aber beibehalten und rief zur Programmplanung eine Gruppe ins Leben.