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Andreas Sarow hat die „schwarze Villa“ am Dienstag für Schaulustige geöffnet. Das wollten sich viele Pforzheimer nicht entgehen lassen. Foto: Seibel
Andreas Sarow hat die „schwarze Villa“ am Dienstag für Schaulustige geöffnet. Das wollten sich viele Pforzheimer nicht entgehen lassen. Foto: Seibel
Dieter Müller, Peter Jacobi, Andreas Sarow und Hannelore Schimpf (von links) trauern um die Kunst in der Villa.  Foto: Seibel
Dieter Müller, Peter Jacobi, Andreas Sarow und Hannelore Schimpf (von links) trauern um die Kunst in der Villa. Foto: Seibel
24.11.2015

Andreas Sarow hat die Pforzheimer Kunst beerdigt

Die „schwarze Villa“ glimmt rot, Fackeln säumen den Weg in das düstere Haus. Am Dienstagabend wurde es das erste Mal für die Öffentlichkeit geöffnet. Weil die Ausstellung im Gebäude an der Friedenstraße durch die Stadtverwaltung verhindert wurde, hat der Besitzer Andreas Sarow eine Trauerstunde organisiert – die Resonanz ist beachtlich.

Im nur von Kerzen erleuchteten Salon drängen sich die Neugierigen, pathetische Streichermusik dröhnt aus den Lautsprechern. Häppchen und Sekt werden gereicht. Im Foyer liegt ein Kondolenzbuch aus, hier kann der von Sarow so benannte „Tod der Kunst in Pforzheim“ betrauert werden. Namen stehen darin, aufmunternde Botschaften, auch kunsthistorische Bonmots. Manch einer ist mit Blumen erschienen und überreicht sie Sarow mit einem „Mein Beileid“ auf den Lippen.

Viele der Gekommenen sind Sarow-Sympthisanten, ernsthaft enttäuscht über die nicht zustandegekommene Ausstellung. „Es ist schade, dass dieses Projekt gescheitert ist“, sagt der Architekt und frühere Stadtrat Dieter Müller. „Ich bin mir sicher, dass man sich in den strittigen Fragen hätte arrangieren können.“ So denken viele, die gestern erschienen sind.

Auch deswegen ist Sarow zufrieden mit der Resonanz. Schon nach wenigen Minuten verteilen sich über 50 Besucher in den Räumen. Viele haben sich in Gruppen zusammengefunden und diskutieren lebhaft. Aber die Aktion sorgt auch über den Abend hinaus für Gesprächsstoff. Denn: Ist es eigentlich geschmacklos, öffentlichkeitswirksam die Kunst zu Grabe zu tragen und Kondolenzbücher mit Trauer-Unterschriften füllen zu lassen, wenn zur selben Zeit andere Kondolenzbücher ausliegen, die an den Tod so vieler bei den Anschlägen von Paris erinnern? „Als ich von der Trauerveranstaltung von Sarow gelesen habe, bin ich zusammengezuckt“, sagt Schlosskirchen-Pfarrerin Heike Reisner-Baral.

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