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Theater-Chefdramaturg Peter Oppermann und Intendant Thomas Münstermann schmieden am Modell des Künstlers Andreas Sarow (von links) gemeinsame Pläne. Foto: Meyer
Theater-Chefdramaturg Peter Oppermann und Intendant Thomas Münstermann schmieden am Modell des Künstlers Andreas Sarow (von links) gemeinsame Pläne. Foto: Meyer
20.07.2018

Andreas Sarows „Factory“ wird szenisch, musikalisch und visuell bespielt

Pforzheim. Wenn zwei Macher aufeinandertreffen, dann kann das ziemlich erfolgversprechend sein: Der Eine, Thomas Münstermann, macht Theater, der andere, Andreas Sarow, macht Kunst.

Beide haben sich vor einiger Zeit auf dem Gelände von Sarows „Factory“ getroffen und Pläne geschmiedet. Für den 21. September, wenn ab 19 Uhr Performance auf Installation trifft.

Was ist genau geplant? Münstermann probt gerade Richard Wagners Oper „Rheingold“, mit der die Spielzeit am Freitag, 14. September, eröffnet wird. Eine der Szenen zeigt die unterirdische Welt von Nibelheim. Mit seinem großartigen Gespür für dramatische Effekte lässt Wagner den Abstieg durch die Schwefelkluft mit rhythmischem Hämmern auf Ambosse begleiten, gespielt von den Nachtalben, die unter Alberichs Geißel nach Bodenschätzen graben, das Erz schmelzen, gießen und schmieden. Für die Umsetzung auf der Theaterbühne kommen dabei Eisenbahnschienen zum Einsatz. Just solche, wie sie durch das Gelände der Großskulptur (110 mal 20 mal 12 Meter) zwischen Bundesstraße und Bahntrasse verlaufen. Münstermann, der die szenische Einrichtung übernimmt, sieht weitere Parallelen: Die industrielle Fertigung habe der Komponist zu Beginn des 19. Jahrhunderts in sein Werk einfließen lassen, ebenso aber auch die Zeit des Biedermeiers. Deshalb wird neben den Hammerschlägen, die die Mitglieder des Kulturschaffer-Vereins zwischen den Magenta-Häuschen aufführen, im Zeichnungshaus Wagners Streichquartett D-Dur von 1829 erklingen, gespielt vom Konzertmeister-Quartett der Badischen Philharmonie Pforzheim. Alles geleitet von Generalmusikdirektor Markus Huber auf einem der beiden Wachtürme. Wobei die Streicherklänge aus dem engen Gebäude hinaus aufs Gelände projiziert werden.

Für den Künstler Andreas Sarow ist die Zusammenarbeit auch deshalb so spannend, weil die speziell für die Veranstaltung komponierte Musik mit Wagners Hammerschlag-Zitaten und die harmonische Salonmusik eine Deutung ebenso offenlassen, wie sein Werk: „Handelt es sich um ein KZ-Gelände für Gefangene oder um in Serie produzierte fröhliche Häuschen – beide Interpretationen sind möglich“, sagt er. Und: „Das Projekt mit dem Theater Pforzheim soll aufzeigen, was Kunst im öffentlichen Raum leisten kann.“

Wie stark das Theater in die Stadt hineinspielt betont auch Peter Oppermann, Chefdramaturg und im Vorstand des „Kulturschaffer“-Vereins. Denn gerade durch die Mitwirkung ganz unterschiedlicher Bürger an einem solchen temporären Projekt kann das passieren, was Sarow sich wünscht: die Kunst hin zu den Menschen zu bringen.