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Zwei Ausnahmekünstler, die ihre Rollen je das erste Mal singen: Anna Netrebko (Elsa) und Piotr Beczala (Lohengrin).
Zwei Ausnahmekünstler, die ihre Rollen je das erste Mal singen: Anna Netrebko (Elsa) und Piotr Beczala (Lohengrin).
20.05.2016

Anna Netrebko debütiert mit einer Wagner-Rolle – und meistert die „Elsa“ bravourös

Dresden. Anna Netrebko hat es mal wieder bewiesen: Die russische Sopranistin ist eine Klasse für sich. Sogar wenn es um ein für sie bislang unbekanntes Fach geht. Das heißt in diesem Fall Richard Wagner und verlangt Sängern Höchstleistungen ab. Oder man ist wie im Fall Netrebkos eine Ausnahmekünstlerin. Die Russin gab am Donnerstag an der Dresdener Semperoper ihr Rollendebüt als Elsa in Wagners „Lohengrin“ und zog das Publikum unmittelbar in ihren Bann. Der Jubel war laut und lang – und auch Netrebko schien in diesem Moment auf eine besondere Art berührt. Es wirkte fast, als wäre ihr eine Last von den Schultern genommen – denn Wagner ist nun mal ein schwerer Brocken.

Über die Inszenierung muss nicht viel gesagt werden. Wagner-Fans kennen den Dresdner „Lohengrin“ von Christine Mielitz, der 1983 Premiere hatte. Bis zu Netrebkos Auftritt lief das Stück 111 Mal. Doch die Aufführung nach der Schnapszahl war eine besondere. Das ist nicht zuletzt Christian Thielemann zu verdanken, der als begnadeter Wagner-Dirigent gilt. Er soll auch den Polen Piotr Beczala überredet haben, den Schwanenritter „Lohengrin“ in Dresden zu singen – das zweite Rollendebüt des Abends.

Das Debüt von Netrebko als Elsa war mit Spannung erwartet worden. Denn die Russin etabliert sich damit im lyrisch-dramatischen Stimmfach. Sie liebe schon immer Wagners Musik, bekannte die Russin in einem Interview. Sie habe aber lange nicht geglaubt, Wagner singen zu können, bekannte Netrebko.

Netrebko sagt, dass sie zur Vorbereitung einer Oper normalerweise zwei Wochen benötige. Für die Elsa habe sie sich sechs Wochen Zeit genommen und während der Probenphase in Dresden dann täglich mit voller Intensität gesungen. Es hat sich gelohnt. Der Dresdner Stimmforscher Dirk Mürbe geriet nach der Vorstellung ins Schwärmen: „Das Wagnis Wagner ist gelungen“.

Auch ihr Deutsch sitzt

Abseits von allem Glamour bewegte die Musikfans die Frage, wie Netrebko die Rolle sprachlich meistert. Akribisch hatte sie sich auf ihre erste deutschsprachige Partie vorbereitet und brillierte auch hier: Denn ihre Stimme besaß nicht nur den erwarteten Wohlklang, sondern auch eine hohe Textverständlichkeit. Als das Publikum nach fast fünf Stunden die Oper verließ, ging draußen ein Feuerwerk los. Nicht wenige Opernbesucher dachten wohl, es sei zu Ehren Netrebkos gezündet worden.