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Anneliese Zorn hat rund zwei Jahre an ihrem Roman geschrieben. Roller
Anneliese Zorn hat rund zwei Jahre an ihrem Roman geschrieben. Roller
31.03.2017

Anneliese Zorn legt beeindruckende Erstlingswerk vor

Pforzheim. Einen Roman, der in Pforzheim und dem Enzkreis spielt, hat die Tiefenbronnerin Anneliese Zorn geschrieben. Wer nun an eine launige Heimatgeschichte oder an einen unterhaltsamen Krimi mit ein bisschen Lokalkolorit denkt, irrt sich gewaltig.

Denn Zorns Erstling „Das Haus an der Enz“ ist mehr als das: Es ist ein ernster, intelligent gestrickter Roman, der den Leser in seinen Bann zieht. Es gelingt der Autorin darin nämlich, die historischen Ereignisse rund um die beiden Weltkriege und die nationalsozialistische Diktatur mit menschlichen Schicksalen aus der Region zu verknüpfen. „Gedanklich habe ich jahrzehntelang an dem Buch geschrieben“, erzählt Zorn im Gespräch mit der PZ am Rande einer Lesung in der Bücherei von Uwe Mumm.

Viele Gespräche mit Zeitzeugen sind in die Geschichte eingeflossen. Eine ganze Menge Fachliteratur zum historischen Hintergrund hat sie gelesen, und im Archiv war sie auch. Theoretisch hätte sie also auch ein Sachbuch schreiben können. „Aber das wollte ich nicht“, sagt Zorn.

Um die bewegende Geschichte der Protagonistin Amalie und ihrer Familie zu Papier zu bringen, hat Zorn rund zwei Jahre gebraucht. Zu Beginn der Handlung ist Amalie erst 17 Jahre alt – und schwanger. Zu ihrem Glück will ihr Freund Karl sie heiraten. Sie bauen ein Haus, bekommen drei Kinder und führen ein bürgerliches Leben. Als im Jahr 1914 der Erste Weltkrieg beginnt, muss auch Karl an die Front. Dort erlebt er das Grauen des Stellungskrieges. Nach einigen glücklichen Nachkriegsjahren stirbt er noch jung an Lungenkrebs: Amalie wird mit 39 zur Witwe.

Der Leser erlebt, wie sie sich und ihre Kinder durchbringt, wie das brutale NS-Regime bis an die Türe ihrer Familie kommt. Auch wenn die Schicksale und Personen frei erfunden sind, ist Zorns Geschichte nicht unrealistisch. Sie wirkt, als ob es sich dereinst tatsächlich so zugetragen haben könnte.