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Unter dem Pseudonym Barbara hat am Boxhagener Platz in Berlin eine anonyme Person zahlreiche Plakate mit Sprüchen angebracht. Foto: Gambarini
Unter dem Pseudonym Barbara hat am Boxhagener Platz in Berlin eine anonyme Person zahlreiche Plakate mit Sprüchen angebracht. Foto: Gambarini
08.07.2016

Anonym und höchst erfolgreich: Streetart-Künstlerin Barbara

Heidelberg/Berlin. Ihre Werke werden ebenso gefeiert wie prämiert – doch niemand kennt ihre Identität. „Barbara.“ – so die offizielle Schreibweise – hat es in den vergangenen zwei Jahren zur meistbeachteten Streetart-Künstlerin Deutschlands gebracht. Doch ihre Identität hält sie bewusst geheim. Und sie will auch, dass das so bleibt. Mittlerweile scheint sie in Heidelberg zu leben.

Ihr Spezialgebiet: die Modifikation von Schildern – oder die Reaktion darauf. Bekannt wurde sie mit der Botschaft „Dieser Befehlston verletzt meine Gefühle.“ Sie hing unter einem Straßenschild „Bekleben verboten“. Manchmal überklebt die Künstlerin auch offizielle Schilder. Statt mutmaßlich „Betreten verboten! Lebensgefahr!“ steht dann etwa „Das Leben ist verboten! Lebensgefahr!“

Schau mit 100 Werken

Mit einer Open-Air-Ausstellung mit rund 100 ihrer gesellschaftskritischen Werke am Boxhagener Platz in Berlin sorgte Barbara jüngst für großes Aufsehen. Glaubt man ihrem Facebook-Auftritt, war sie sogar persönlich dort. Aber auch hinterher ist niemand schlauer, wer sich hinter dem Pseudonym denn nun verbirgt. Eine Frau, ein Mann? Oder doch ein Kollektiv? Doch nun gibt es erste Hinweise auf ihre Identität. Laut „Tagesspiegel“ hat eine Gruppe Obdachloser eine Frau in den Mittvierzigern mit kurzen, blond-gelockten Haaren dabei beobachtet, wie sie am Tag vor der Guerilla-Ausstellung die Plakate mit den pointierten Sprüchen im Park angebracht hat. Höchstens 1,65 Meter sei sie groß gewesen und eine hübsche Erscheinung.

Barbara sagt, sie wolle in der Anonymität bleiben, um sich weiterhin frei bewegen zu können. Interviews mit ihr sind selten – und wenn, dann nie persönlich, auch nicht am Telefon. Dem „Tagesspiegel“ verriet sie, dass sie mittlerweile in Heidelberg lebe, sich aber immer wieder auch in Berlin aufhalte. Ihr Geschlecht gibt sie mit „Mensch“ an. Ihr Alter? „Ich bin jünger als Angela Merkel, aber älter als Justin Bieber.“

Als ihre Straßenkunst jüngst mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnet wurde, kochte die Gerüchteküche. Kommt Barbara persönlich zur Preisverleihung? Die Künstlerin schickte eine Stellvertreterin. Selbst beim Kölner Verlag Bastei Lübbe, der einen Sammelband ihrer Werke veröffentlichte, weiß niemand, wer Barbara wirklich ist. Kommuniziert wurde über Vermittler.

Mittlerweile ist sie ein Internet-Hit. Rund 460 000 Menschen folgen ihrem Facebook-Profil, auch bei Instagram ist sie aktiv. Ihre Themen sind grün und linksorientiert, ihre Werke richten sich gegen Homophobie und Hooligans, prangern Missstände an, etwa in der Agrarpolitik.

www.facebook.com/ ichwillanonymbleiben