nach oben
Debütroman von Anja Kampmann
Debütroman von Anja Kampmann
09.02.2018

Anspruch statt Popularität: Preis der Leipziger Buchmesse

Leipzig. Tausende Seiten hat die Jury für den Preis der Leipziger Buchmesse gelesen, wochenlang diskutiert und verworfen. Jetzt hat sie sich auf eine Shortlist verständigt. Die Belletristik-Liste ist eine Wundertüte, die Literaturkritiker nicht unbedingt erwartet haben: Isabel Fargo Cole mit „Die Grüne Grenze“, Esther Kinsky mit „Hain. Geländeroman“, Georg Klein mit „Miakro“ sowie Matthias Senkel mit „Dunkle Zahlen“.

Als Überraschung auf der Liste für den renommierten Buchpreis geht der Debütroman von Anja Kampmann („Wie hoch die Wasser steigen“) ins Rennen.

Enttäuscht von Renommiertem

Von populären Autorennamen oder Bestsellerlisten lässt sich auch in diesem Jahr die Jury nicht verleiten. „Unsere Kriterien sind: Was macht der Autor mit der Sprache, wie originell sind Thema und Gestaltung, wie hoch ist der literarische Anspruch und das intellektuelle Niveau“, betont die Vorsitzende der siebenköpfigen Jury, Kristina Maidt-Zinke. Die Juroren seien bemüht, den Kunstaspekt im Blick zu behalten. Nicht selten sei man, wie im Vorjahr, von renommierten Autoren enttäuscht. Dennoch freue man sich, „wenn einer unser Preisträger auf die Bestsellerliste kommt, aber das ist nicht unser vorrangiges Ziel.“

Der Leiter des Literaturhauses Hamburg, Rainer Moritz, ist von der Ausgewogenheit angetan: „Die Liste der Jury ist eine Wundertüte, in die bewusst viel Überraschendes hineingeworfen wurde.“ Es sei eine ausgewogene Auswahl, die nicht langweilig erscheine. Am meisten überrascht habe ihn die Nominierung von „Die Grüne Grenze“ von Isabel Fargo Cole, deren Roman bereits im vergangenen Herbst erschienen ist. „Das ist ein Zeichen, dass die Jury den Markt genau durchforstet.“ Der Literaturkritiker Hubert Winkels, der bis 2015 selbst Jury-Chef in Leipzig war, bezeichnet die Belletristikliste gar als wagemutig. „Bei drei nahezu Neulingen kommt der Mut der Jury durch, etwas Neues zu entdecken.“

Der Preis der Leipziger Buchmesse ist mit insgesamt 60 000 Euro dotiert, die Sieger in den drei Kategorien erhalten jeweils 15.000 Euro. Die Jury wird sich nun in die Shortlist-Titel vertiefen. Die Entscheidung über die Preisträger fällt dann kurz vor der Verleihung am 15. März.