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Isabell Schmidt-Mappes vom Schmuckmuseum legt letzte Hand an die Exponate. In der Ausstellung gibt es ganz verschiedene Exponate. Von modernen Ketten ...      Fotos: Seibel
Isabell Schmidt-Mappes vom Schmuckmuseum legt letzte Hand an die Exponate. In der Ausstellung gibt es ganz verschiedene Exponate. Von modernen Ketten ...      Fotos: Seibel
. . . bis hin zu Verkaufsschlagern aus dem vergangenen Jahrhundert reicht die Bandbreite der „wilden Mischung“.
. . . bis hin zu Verkaufsschlagern aus dem vergangenen Jahrhundert reicht die Bandbreite der „wilden Mischung“.
Die Uhr von Hoffman und Viala zeigt: Schon 1783 - 16 Jahre nach Beginnder Schmuckferigung - wurden in Pforzheim bemerkenswerte Exponate hergestellt. 
Die Uhr von Hoffman und Viala zeigt: Schon 1783 - 16 Jahre nach Beginnder Schmuckferigung - wurden in Pforzheim bemerkenswerte Exponate hergestellt. 
18.03.2016

Anziehende Gegensätze - neue Ausstellung im Schmuckmuseum

Pforzheim. In der neuen Ausstellung des Schmuckmuseums regieren die Extreme. Denn dort, wo eigentlich jede neue Schau durch genaue Konzepte bestimmt wird, ist diesmal alles anders. Die Ausstellung „Wilde Mischung“ zeigt genau solche Schmuckstücke, die der Name verspricht. Es ist die Vielfalt der Exponate, die hier den Reiz ausmacht.

Ein Verbindendes aber gibt es: Alle Werke sind Ankäufe, die das Schmuckmuseum seit seinem Umzug in die neuen Räumlichkeiten im Reuchlinhaus vor zehn Jahren erworben hat.

Weil das Museum aber ganz unterschiedliche Themenschwerpunkte setzt, sind eben auch die angekauften Werke so vielfältig wie das Phänomen Schmuck selbst. Da gibt es Exponate, die aufgrund ihres Lokalbezugs am besten in ein Pforzheimer Museum passen. Wie die Spindeltaschenuhr der lokalen Uhrenfirma „Hofmann & Viala“, die sich seit 2009 in der Sammlung des Schmuckmuseums befindet – ein besonderes Exponat. Denn mit dem Entstehungsjahr 1783 ist die Uhr das früheste Produkt der Pforzheimer Uhren-Industrie im Schmuckmuseum. Sie zeigt, dass hier – schon 16 Jahre nach Beginn der Schmuckfertigung im Jahr 1767 – konkurrenzfähige Werke auf der Höhe der Zeit produziert wurden. Und das direkt vor der Haustür.

Aber die Ausstellung zeigt auch Exponate, die faszinieren, weil sie aus einem anderen Teil der Erde stammen. So wie der turkmenische Kopfschmuck aus dem Jahr 1908, der als Teil der Volkstracht normalerweise einen aufwendigen Turban krönt.

Auch sonst regieren die Gegensätze. Da gibt es Exponate, die wie ein etruskisches Goldarmband schon weit über 2500 Jahre alt sind – oder Werke der Gegenwart. So wie der Halsschmuck „Arbeiten“ der jungen Pforzheimer Gestalterin Kathrin Feulner. Ihr Werk ist dem Schmuckmuseum gestern von der Internationalen Gesellschaft der Freunde des Schmuckmuseums (ISSP) gestiftet worden – und zeigt, in welcher Bewegung die Schmuckgestaltung auch heutzutage noch ist.

Die Ausstellung widmet sich aber noch anderen Gegensätzen. Da gibt es Werke wie die Armspange von Günter Wyss von 1970, die sich in ihrer filigranen Eleganz dem Handgelenk wie von selbst anzuschmiegen scheint. Oder solche Werke wie der Armreif „Schaustück“ von Norman Weber aus dem Jahr 2009, der sich in seiner spröden Expressivität dem konkreten Tragen zu Verwehren scheint – aber nur scheinbar.

„Diesen Vorwurf an moderne Schmuckstücke gibt es öfter“, sagt Cornelie Holzach, die Leiterin des Schmuckmuseums. „Man kann alles tragen. Manches ist zwar nicht sonderlich bequem. Aber das sind viele High Heels auch nicht, die aber umso besser aussehen.“ Denn das ist der zweite Punkt, in dem die Schmuckstücke zusammenkommen: Sie sehen gut aus. Egal ob sie alt oder jung sind, von nah der fern kommen. Ihren Zweck erfüllen sie. Sie schmücken – gerade in der „wilden Mischung“.