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Die Germanen um Tusnelda (Layla Claire), Arminio (Max Emanuel Cencic) und Sigismondo (Vince Yi, von links) haben Grund zu feiern: Die Römer sind besiegt.  ONUK
Die Germanen um Tusnelda (Layla Claire), Arminio (Max Emanuel Cencic) und Sigismondo (Vince Yi, von links) haben Grund zu feiern: Die Römer sind besiegt. ONUK
17.02.2016

„Arminio“ eröffnet die Händel-Festspiele in Karlsruhe

Karlsruhe. Es ist keine leichte Aufgabe, die sich Max Emanuel Cencic da ausgesucht hat. Mit Händels Arminio bringt er zum Auftakt der Karlsruher Händel-Festspiele ein weitgehend vergessenes Werk als Regisseur auf die Bühne – und singt gleichzeitig die Hauptrolle. Ein wirklich gelungenes Experiment ist das nicht – aber ein kurzweiliger Abend kommt dennoch dabei heraus.

Denn auch als Regisseur behält Cencic gleichsam die Sängerperspektive bei. Aus ihr kann er bei der Gestaltung des großen dramaturgischen Bogens nicht entfliehen. Denn die Geschichte um den germanischen Helden Arminio, der zusammen mit seinen Cheruskern die Römer aus dem Land verjagt, hat Cencic in eine Atmosphäre grenzenlosen Rokoko-Prunks verlegt – mit Glanz und Glitter, weißen Strümpfen, Perücken, güldenen Masken und strahlenden Leuchtern.

 

 

 

Doch der Luxus ist in Gefahr. Finstere Revolutionsgarden – kleine schwarze Napoleons – wollen mit Guillotine und Steinschlossgewehr das lustige Treiben beenden. Es sind die Römer unter ihrem Feldherrn Varo, raubeinige Militärmenschen in Felduniform, die den höfisch gewandeten Herren und Damen den Garaus machen wollen. Diese Transformation von der Antike ins späte 18. Jahrhundert, wo wilde Germanen nun gepuderte Perücken und römische Feldherren Zweispitze tragen, ist derart schief, dass auch die Beteuerung Cencics nicht hilft, er wolle den germanischen Freiheitskampf den Karlsruhern näher bringen, indem er Arminio als badischen Herrscher auftreten lässt. Ein Markgraf im – unhistorisch – tapferen Kampf gegen Napoleon.

Holprig ist diese Verlegung in den Untergang der absolutistischen Welt mit den Revolutionskriegen – zu einem gewissen ästhetischen Kostümreiz aber führt sie doch. Schade, dass hier das Bühnenbild (Helmut Stürmer) nicht mithalten kann. Auf einer Leinwand am hinteren Bühnenende gibt es pseudo-atmosphärische Wolkenverbände zu sehen, dunkle Architektur-Reste stehen in Spiegelsaal-Optik herum. Sie werden von einer Drehbühne unmotiviert im Raum verschoben, die auch für den ein oder anderen totlaufenden Effekt gut ist. Hier können nach Lust und Laune Guillotinen oder Reihen aufgespießter Römerköpfe angefahren werden.

Doch Cencics Doppel-Rolle als Sänger-Regisseur sorgt auch für die starken Momente der Inszenierung. Denn für das Verhältnis der Personen untereinander hat er ein Auge. Sinnvoll sind die Bewegungen der Charaktere. Gesten, Körpersprache und Platzierung im Raum vermitteln den Eindruck lebendiger Personen, ohne dass es allzu aufgeregt wuselt auf der Bühne. Dass Arminio seine Gattin Thusnelda liebt, singt er nicht nur. Auch sein Stehen und Gehen und Sitzen drückt es aus.

Kurzweiliger Abend

Musikalisch ergibt sich ein sehr zufriedenstellendes Bild. Allen voran sorgt das Ensemble „Armonia Atenea“ für eine hochenergetische Realisierung des Instrumentalparts, deren Wucht aber leider doch durch die Dimension des großen Hauses gemindert wird. Seiner singenden Rolle als Arminio wird Cencic problemlos gerecht. Layla Claire zeigt eine starke Ausführung der Tusnelda. Vince Yi als Sigismondo zeigt sich im höheren Register mit wenigen Unsicherheiten, dafür einer besonders einfühlsamen Gestaltung der Partie.Ein kurzweiliger Abend, dem auch das im Gesamten unausgegorene Regiekonzept nichts anhaben kann.