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Art Garfunkel
Art Garfunkel
24.02.2016

Art Garfunkel zaubert intime Atmosphäre in die Stuttgarter Liederhalle

Ein kalter Winterabend, das Feuer im Kamin lodert, dazu ein Glas Wein und einfühlsame, leise Töne. Das Ganze eingebettet in eine lockere Plauderei mit dem nostalgischen Eintauchen in die schönsten Stunden des Lebens. So in etwa muss man sich die heimelige Atmosphäre beim Auftaktkonzert zu einer durch vier weitere deutsche Städte führenden Mini-Tournee von Art Garfunkel in der Stuttgarter Liederhalle vorstellen.

„An Intimate Evening“ („Ein intimer Abend“) ist denn auch die Veranstaltung überschrieben. An dieser gemütlichen Wohnzimmer-Stimmung ändert selbst die Tatsache nichts, dass die seit Wochen ausverkaufte Veranstaltung angesichts des Riesenandrangs kurzfristig vom Mozartsaal in den deutlich größeren Beethovensaal verlegt werden muss.

Lässig auf einem Barhocker sitzend, wohltuend zurückhaltend begleitet von Gitarrist Tab Laven und Keyboarder Clifford Carter, gibt der einstige kongeniale Partner von Paul Simon Einblicke in sein Leben. Der 74-jährige Amerikaner Art Garfunkel zelebriert mit seiner unverändert hellen und hohen, einfach unnachahmlichen Stimme die größten Hits von Simon & Garfunkel, des bedeutendsten männlichen Pop-Duos aller Zeiten. Das andächtige Publikum lauscht hingerissen und freundlich applaudierend eineinhalb Stunden lang: „The Sound of Silence“, „Bridge Over Troubled Water“, „The Boxer“, „Scarborough Fair“, einem Hit, der im nächsten Jahr seinen 50. Geburtstag feiert, und vielen weiteren Ohrwürmern. Über seltene textliche Aussetzer sehen die Besucher großzügig hinweg. Dafür freuen sie sich, dass Garfunkel in Geschichten und Gedichten, Anekdoten und Episoden von seinem Sohn, seiner Frau, der riesigen Royal Albert Hall, seinen unzähligen Reisen, seiner Begegnung mit Schauspiel-Legende Jack Nickolson und davon erzählt, dass er Kühen vorsingt. Und immer fällt der Name Paul Simon. „Ein brillanter, junger Mann, der mir Mut gemacht hat“, schildert er seine ersten Eindrücke über den Ex-Gesangspartner. Er nennt Simon einen der besten fünf Songwriter aller Zeiten. Von einem der anderen „vier Besten“, Randy Newmann, lässt er an diesem Abend ebenfalls ein Lied erklingen. Dabei kann Garfunkel doch selbst auf zwölf Solo-Alben verweisen. Sein berühmtester Solosong „Bright Eyes“ ist dann auch der Höhepunkt des Abends, der ebenso leise ausklingt, wie er begonnen hat. Zugaben gibt es nicht.

„Ich muss wissen, was ich bin, um zu wissen, wozu ich fähig bin“, mit diesem einzigen in Deutsch gesprochenen Satz leitete Art Garfunkel den Abend ein. Wozu der Sänger, Schauspieler und Dichter fähig ist, hat er an diesem „intimen Abend“ erneut bewiesen.