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Bestes Sachbuch: Jürgen Goldstein dpa
Beste Übersetzung: Brigitte Döbert
Bester Roman: Guntram Vesper
18.03.2016

Asylthema bewegt die Leipziger Buchmesse

Leipzig. Der Autor Guntram Vesper (74) hat mit seinem überbordenden Geschichts- und Geschichtenroman „Frohburg“ den Preis der Leipziger Buchmesse gewonnen. „Ein lebenssattes Buch“, sagte Laudator Dirk Knipphals gestern bei der Preisvergabe. „Man glaubt ihm gern, dass seine Erzählungen wahr sind.“

Die Auszeichnung für das beste Sachbuch ging an Jürgen Goldstein für seine Entdeckerbiografie „Georg Forster. Zwischen Freiheit und Naturgewalt“. In der Kategorie Übersetzung gewann Brigitte Döbert mit der Übertragung des serbischen Meisterwerks „Die Tutoren“ von Bora Cosic. Der mit insgesamt 45 000 Euro dotierte Leipziger Buchpreis gehört zu den wichtigsten Auszeichnungen für Autoren in Deutschland. Inhaltlich standen zum Auftakt der Messe die Themen Flucht und Asyl im Mittelpunkt.

Vesper beschäftigt sich in seinem über 1000 Seiten starken Roman mit seinem Geburtsort Frohburg, einer Kleinstadt südlich von Leipzig. Er verbrachte dort Kindheit und Jugend, ehe die Familie 1957 in die Bundesrepublik floh. Die Geschichte des Ortes und der eigenen Familie ist verwoben mit einem großen historischen Panorama.

Kollektive Erinnerungen

„Mit hoher Sensibilität für Ost-West-Phänomene belebt dieser opulente Roman Dinge und Ereignisse, die aus dem kollektiven Gedächtnis zu verschwinden drohen“, lobte die Jury. Vesper lebt als freier Autor in Göttingen. Er verfasste Gedichte, Erzählungen und Hörspiele und wurde schon vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Peter-Huchel-Preis.

Der 74-Jährige setzte sich gegen die ebenfalls nominierten Autoren Marion Poschmann („Geliehene Landschaften – Lehrgedichte und Elegien“), Roland Schimmelpfennig („An einem klaren, eiskalten Januarmorgen zu Beginn des 21. Jahrhunderts“), Nis-Momme Stockmann („Der Fuchs“) und Heinz Strunk („Der goldene Handschuh“) durch.

Beim diesjährigen Themenschwerpunkt der Buchmesse „Europa 21“ rückten renommierte Autoren die Mitverantwortung des Westens für Flüchtlingselend und Fluchtursachen in den Blickpunkt. „Wir sind nicht unschuldig, wir sind immer auch Teil des Problems“, sagte Karim El-Gawhary („Auf der Flucht“) mit Hinweis auf die jahrzehntelange Unterstützung diktatorischer Regime in der arabischen Welt.

Das Thema Flucht bewegt auch den Kinderbuchmarkt: Mehrere der 30 im „Leipziger Lesekompass“ ausgezeichneten Titel befassen sich mit diesem hochaktuellen Thema.

www.leipziger-buchmesse.de