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„Cool-Jazz-Bach“ mit Rainer Böhm am Piano, Dieter Ilg am Bass und Patrice Héral am Schlagzeug beim Konzert im Domicile in Brötzingen.  von zepelin
„Cool-Jazz-Bach“ mit Rainer Böhm am Piano, Dieter Ilg am Bass und Patrice Héral am Schlagzeug beim Konzert im Domicile in Brötzingen. von zepelin
15.11.2017

Auch das ist Bach: Dieter Ilg stellt im Jazzclub Domicile sein neues Album vor

Mit einfühlsam und ideenreich arrangiertem Jazz begeisterte am Montagabend der Bassist Dieter Ilg das Publikum im voll besuchten Jazzclub Domicile in Brötzingen.

Der dreifache ECHO-Preisträger spielte zusammen mit seinen langjährigen Trio-Partnern Rainer Böhm (Piano) und Patrice Héral (Schlagzeug).

Zu hören waren Titel des neuen Albums „B-A-C-H“ – eine musikalische Hommage an den Barockkomponisten Johann Sebastian Bach.

Ohne Bass geht gar nichts. Der tiefe Tonangeber trägt die Musik von unten. Ohne ihn wäre alles dünn und leer. Man nennt die Epoche vor Johann Sebastian Bach gerne auch die Generalbass-Zeit, als die tiefen Töne die wichtigsten waren, nach denen sich alle anderen zu richten hatten. Und trotz meisterhafter Mehrstimmigkeit gibt es auch bei Bach viele Musikstellen, die auf eben diesem uralten Prinzip beruhen. Dieter Ilg kennt sie. Ganz ruhig spielt er sie unisono mit dem Klavier, wo die linke Hand an den unteren Tasten führt und die rechte weiter oben so freundliche, aber nachdenkliche Einsprengsel macht.

Doch, das ist Bach! Wie aus dem Hintergrund hört man die bekannten Töne heraus, die Akkordfolgen, die uns irgendwann schon mal begegnet sind. Dass die Musik aus dem „Klavierbüchlein für Wilhelm Friedemann“ ist, moderiert Dieter Ilg erst später übers Mikrofon. Er weiß, dass dieses Konzert bei vielen auch das unterschwellige Rätseln nach den Bach’schen Stücken auslöst.

Anklänge an bekannte Stücke

Der 1961 in Offenburg geborene Musiker hat trockenen Humor. „Das nächste kennen Sie ganz sicher“, sagt der groß gewachsene Mann im schwarzen Hemd, lugt hinter seinem Bass hervor und ergänzt: „Oder vielleicht auch nicht.“ In Anlehnung an Motive und Themen, etwa der Goldbergvariationen, des Wohltemperierten Klaviers und anderen Bachwerken hat das Trio neue, mit viel musikalischer Improvisation versetzte, Jazzstücke arrangiert. Dabei verlässt Ilg natürlich immerzu die Rolle des stützenden Basses ganz unten, begibt sich in virtuose Abstecher: blitzschnelles Zupfen, rasante Läufe übers ganze Griffbrett, auch in höchste Lagen mit Daumenaufsatz. Es brummt volltönend und satt, ab und an rasselt es energisch. Auch am Schlagzeug reibt Patrice Héral den Besen, klopft mit Handballen auf Toms und zischende Becken. Héral liefert Klangfarben des Drum Sets vom Feinsten.

Doch, das ist Jazz! Das ist der gewisse Swing, der die gute Stimmung verbreitet, ohne viel Aufhebens drum zu machen: Cool-Jazz-Bach könnte man die neue musikalische Kreation von Dieter Ilg nennen. Am Klavier steuert Rainer Böhm einen wesentlichen Charakter der Musik bei. Er wechselt durchweg zwischen dem festen Gefüge der Bach’schen Komposition und den freien und befreienden Tonfluchten. Böhm schafft mitunter auch sphärisch-meditative Ruhe, schwört sich ein auf eine Harmonie und Tonwiederholung, über die das Trio dann wild improvisiert, um schlussendlich wieder in die vertraute Kadenz aus der Barockzeit zu finden.

Klar, dass es hierfür im Domicile großen Applaus gab. Fünf oder sechs Mal war Dieter Ilg hier bereits aufgetreten, so genau weiß er das nicht. Nur ans erste Mal erinnert er sich genau, als Hausherr Axel Klauschke dem damals 17-Jährigen den Auftritt ermöglichte – in einer Reihe mit anderen ganz Großen der Jazz-Szene. Hier kommt Ilg gern her. Auch mit dem neuen Album B-A-C-H, das Ende September erschienen ist. Ilg schafft die Verschmelzung aus Klassik und Jazz. Etwas Neues entsteht, bei dem immer der gewisse Swing in der Luft liegt. Apropos Luft – bei einer Hommage an Bach durfte als Zugabe die „Air“ freilich nicht fehlen.