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Anstehende Restaurierungen sollen weiter stattfinden. Dieses Bild zeigt Arbeiten vor Jahren in Weikersheim.  Foto: Kessler (Archiv) 

Auf der Suche nach cleveren Lösungen: Kulturliegenschaften rechnen mit hohen Einnahmeverlusten

Pforzheim/Bruchsal. Infektionsschutz, Wartung, Restaurierungen und Notfallpläne statt Stillstand: Damit sich die Corona-Krise nicht wie Mehltau auf ausnahmslos alle Bereiche unseres kulturellen und sozialen Lebens legt, bedarf es – auch hinter derzeit verschlossenen Türen – großer konzertierter Anstrengungen. Das gilt für alle systemrelevanten Landesliegenschaften, wie beispielsweise Polizeidienststellen oder Justizvollzugsanstalten, aber auch für den fortlaufenden Erhalt – und damit einhergehend die künftige Präsentation von Baden-Württembergs Baudenkmälern und Parks.

Zwar bleiben die 62 historischen Monumente der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg im Zuge der Virus-Prävention zunächst bis mindestens 19. April für alle Besucher geschlossen. Doch neben der Organisation infektionsschützender Maßnahmen gilt es, die erforderlichen Restaurierungen an Burgen, Schlössern, Klöstern und Kirchen sowie an Kunstschätzen oder Einrichtungsgegenständen trotz der Krise weiterzuführen.

„Wir müssen die anstehenden Arbeiten durchführen – mit oder ohne Besucher“, unterstreicht Michael Hörrmann, Geschäftsführer der Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg in Bruchsal. Frühling und Sommer kommen: Die Pflege der Gärten zwischen Schwetzingen und Weikersheim, zwischen Mannheim und Meersburg könne man, so Hörrmann, „auf keinen Fall vernachlässigen“. Durch die aktuelle Schließung rechnet er für die Staatlichen Schlösser und Gärten im laufenden Jahr mit Einnahmeverlusten von etwa vier Millionen Euro. Er macht deutlich: „Was uns noch mehr beschäftigt, ist die bedrückende Situation der Pächter unserer Gaststätten und Schloss-Shops, der vielen Führerinnen und Führer, der Mitarbeiter unserer Servicedienstleister für Bewachung, Kassendienst und Aufsichten. Sie stehen ausnahmslos vor prekären Zeiten und enormen finanziellen Herausforderungen“.

Notfallpläne und Krisensitzungen bestimmen gegenwärtig auch im hiesigen Landesbetrieb Vermögen und Bau Baden-Württemberg die Tagesordnung. Die Zuständigkeit der 13 landesweit angeschlossenen Ämter ist regional aufgeteilt. Pia Riegert-Matt, die Leiterin des Amts Pforzheim, ist für die Betreuung des gesamten Immobilienbestands „von Rhein bis Neckar, von Maulbronn bis Alpirsbach“ verantwortlich; im Einzelnen für alle baulichen Maßnahmen und das Gebäudemanagement, für die Liegenschaftsverwaltung sowie für die rechtlichen Fragen bei Grundstückserwerb und -verkauf. Mit Blick auf Polizeidienststellen und Justizvollzugsanstalten macht sie deutlich: „Wir müssen zu jeder Zeit sicherstellen, dass wir bei jedem Notfall präsent sind – und dass der Notfall behoben wird. Wir müssen auch dann sofort reagieren, wenn beauftragte Subunternehmer nicht mehr reagieren können.“ Alleine in Pforzheim und im Enzkreis sind das Amt Vermögen und Bau und Pia Riegert-Matt für 40 Kirchen und Pfarrhäuser zuständig. Unlängst abgeschlossen wurden beispielsweise die mehrjährigen Instandsetzungen an der Pforzheimer Schloßkirche. In vollem Gange sind die werterhaltenden Bauarbeiten an der Brötzinger Christuskirche.

Die Neugestaltung des Klosterplatzes in Alpirsbach müsse, so Pia Riegert-Matt, hingegen wegen Lieferschwierigkeiten ruhen. „Unser Anliegen ist es aber, laufende Baumaßnahmen, wo immer möglich, trotz der aktuellen Krise weiterzuführen.“ Mit Blick auf ihre eigene Dienststelle sagt sie: „Zur Krisenprävention haben wir bei uns im Amt auf rollierenden Schalterbetrieb umgestellt: Ein Teil der Belegschaft in der Kundenbetreuung ist für den Fall von Infektionen in Reserve. Außendienst und Besprechungen, die nicht zwingend erforderlich sind, werden verschoben“.

Infos im Internet auf www.schloesser-und-gaerten.de und www.vermoegenundbau-bw.de