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Das Ensemble präsentiert die vielen Vorurteile und Konflikte in der Handlung mit einer gewissen Leichtigkeit.
Das Ensemble präsentiert die vielen Vorurteile und Konflikte in der Handlung mit einer gewissen Leichtigkeit.
14.04.2018

Aufgedrehte Theateradaption des Films „Monsieur Claude und seine Töchter“ in Remchingen

Remchingen. Bei den einen muss das Essen koscher sein, bei den anderen halal und bei den dritten lackiert. Gar nicht so einfach, die „Ehemänner mit Migrationshintergrund“ beim Weihnachtsfestmahl unter einen Hut zu bekommen. Claude und Marie hätten sich lieber katholische Urfranzosen als Schwiegersöhne gewünscht, die ihre Töchter kirchlich heiraten. Stattdessen schleppt Adèle den erfolglosen jüdischen Geschäftsmann Abraham an, Isabelle den Muslimen Abderazak und Michelle den chinesischen Banker Chao Ling. Als Nesthäkchen Laura noch einen schwarzen Schauspieler mit Rastazöpfen in die Familie einführt, scheint das Fass endgültig überzulaufen.

Die französische Filmkomödie „Monsieur Claude und seine Töchter“ war 2014 ein Kinohit. Stefan Zimmermann hat diese für das Theater adaptiert und am a.gon Theater München inszeniert. Als Gastspiel ist die aufgedrehte Produktion mit rasanten Dialogen, Szenenwechseln und Musik nun in der Kulturhalle Remchingen zu sehen – sehr zur Freude des Publikums. Es wird ausgiebig gelacht, werden die vielen Vorurteile und Konflikte doch mit einer gewissen Leichtigkeit serviert. Da beschimpfen sich Eltern, Kinder und Schwiegersöhne gegenseitig als Rassisten und Kommunisten.

„Was für eine gestörte Familie“, sagt Abderazak (Nadim Jarrar), als sich Chao (Benedikt Uy) und Abraham (Robert Naumann) wieder einmal in die Wolle kriegen. Doch im Laufe des Stücks versuchen die Mitglieder, aufeinander zuzugehen, einander zu respektieren. „Man muss tolerant und weltoffen sein“, erkennt Marie (Mona Pferfler) eher als ihr verbissener Mann Claude (Ralf Novak), der wütend Bäume fällt. Doch er ist nicht der einzige: Auch der Vater (Félix Kama) des afrikanischen Ehemanns Charles (Hans-Jürgen Helsig) ist streng traditionell und gegen eine Hochzeit mit einer Weißen. Im Suff freunden sich die Sturköpfe jedoch an. Von den Töchtern überzeugt Fee Denise Horstmann als ewig verheulte Michelle, auch Sorina Kiefer als selbstbewusste Adèle. Herrlich trottelig gibt Alexander Mattheis, der verschiedene Kurzrollen spielt, den Schwiegersohn-Anwärter Xavier. Ein verrückt-multikulturelles Vergnügen.