760_0900_124087_Ursula_Schoch_Tjeerd_Top.jpg
Liebevolle, sanfte Zwiesprache: Ursula Schoch und Tjeerd Top.  Foto: Privat 

Aufmunternd in Corona-Zeiten: Jahres-CD „live 2020“ der sueddeutschen kammersinfonie

Mühlacker. Johann Sebastian Bachs berühmte Violinkonzerte, aber auch Mozarts Klavierkonzert A-Dur (KV 414), sind im Tonträger-Musikmarkt alles andere als Raritäten. CD-Aufnahmen dieser Höhepunkte bereiten den Klassik-Fans aber dann große Freude, wenn sie – gerade in Corona-Zeiten mit ihren einschränkenden Bedingungen – von herausragenden Solisten musiziert werden, die den regionalen Orchester-Ensembles und traditionellen Spielstätten verbunden sind. Die Jahres-CD „live 2020“ von Peter Wallingers sueddeutscher kammersinfonie bietigheim, die sich mit ihren Auftritten beim „Musikalischen Sommer“ in Lienzingen, beim „Mühlacker Concerto“, in der Ötisheimer Kelter, in Pforzheim oder Maulbronn einen Namen gemacht hat, dokumentiert solche Ereignisse. Erstaunlich, was Wallinger und sein Organisationsteam den misslichen Umständen an begeisternden Musikprogrammen abgetrotzt haben.

Unter Wallingers Leitung interpretieren seine Kammersinfonie und die Geigerin Ursula Schoch Bachs E-Dur-Violinkonzert (BWV 1042) mit barock funkelnder Klangpracht, zu der auch die Lienzinger Frauenkirche als Aufführungsort akustisch ihren Beitrag leistet. Die Concertgebouw-Konzertmeisterin spielt mit tragender Eleganz und klangsatten Farben in den schnellen Ecksätzen, im „Adagio“ sind ihre Melodie-Linien verhangen und weich. Die Wiedergabe von Bachs Violin-Doppelkonzert d-Moll (BWV 1043), die sie mit ihrem Kollegen Tjeerd Top präsentiert, erfreut mit solistischer Rasanz. Die geigerische Zwiesprache der Beiden im „Largo“ entfaltet sich liebevoll und sanft. Und das Orchester kommentiert stets mit aufmerksamem Verständnis.

760_0900_124088_magadalena_muellerperth.jpg
Klingt einfach gut: die aus Maulbronn-Schmie stammende Magdalena Müllerperth, zu sehen auch im Konzertvideo. Foto: Mammel

Das im Bietigheimer Kronenzentrum ohne Publikum aufgeführte – und auch als Internet-Video festgehaltene – Mozart-Klavierkonzert mit Magdalena Müllerperth am Flügel ist eine Klasse für sich. In der reduzierten Orchester-Fassung wiedergegeben, bleibt das Werk für jedes Ensemble nicht ohne Tücken, weil mit der „kleinen Truppenstärke“ alle Unschärfen herauszuhören sind. Wallinger und seine Instrumentalisten haben damit keine Probleme. Und was die Pianistin macht, klingt einfach gut. Die erfrischend heiteren Passagen, die lyrisch nachdenklichen Tonfolgen und die temperamentvollen Akzente wirken allesamt fein ausgehört. Die Phrasen sind sauber und rund, perlende Läufe und innige Kantilenen meisterlich ausgeführt. Zudem bietet die CD das in Lienzingen aufgeführte „Adagio Ges-Dur“ aus Anton Bruckners Streichquintett.

Drei Fragen an: Peter Wallinger, Leiter der sueddeutschen kammersinfonie

Wie war bislang die Resonanz auf Ihre Online-Konzerte? Außerordentlich groß. Wir bekamen begeisterte Rückmeldungen sogar aus den USA und aus Rumänien: Unsere Musik kann weltweit gehört werden.

Welche Videoaufzeichnung steht als nächste an? Wir werden auch unser Frühjahrskonzert unter anderem mit Werken von Vivaldi und Dvořák  aufzeichnen und ab dem 14. März ins Netz stellen. Als Solisten konnten wir den fantastischen Geiger Tjeerd Top gewinnen.

Welches Konzert hoffen Sie, live spielen zu können? Hoffentlich unsere Konzertreihe „Musikalischer Sommer“ mit sechs Sonntags-Matineen ab 13. Juni.

Die freundlich aufmunternde, den darbenden Künstlern finanziell helfende Silberscheibe ist im Sekretariat der Kammersinfonie unter Telefon (07043) 958393 oder per E-Mail an susanne@boekenheide.de für zwölf Euro erhältlich.

Mit Material von Eckehard Uhlig
Sandra Pfäfflin

Sandra Pfäfflin

Zur Autorenseite