nach oben
Die Buchbranche befürchtet einen Strukturwandel. Foto: dpa
Die Buchbranche befürchtet einen Strukturwandel. Foto: dpa
14.03.2019

Aufruhr im Buchmarkt nach Zwischenhändler-Insolvenz

Leipzig/Stuttgart. Auf der Leipziger Buchmesse wird kommende Woche in Halle 3 auch das Stuttgarter Unternehmen KNV mit einem Stand vertreten sein. Seit der Buch-Großhändler Mitte Februar Insolvenz angemeldet hat, ist KNV plötzlich bundesweit ein Begriff. Die Zahlungsunfähigkeit hat die Branche, wie berichtet, in Aufregung versetzt,

In der komplizierten Logistik der Buchbranche ist der traditionsreiche Grossist KNV (Koch, Neff & Volckmar) mit seinen 1800 Beschäftigten der wichtigste Mittler zwischen Verlagen und Buchhandlungen. In den Depots hat der Zwischenhändler nach eigenen Angaben fast 600.000 Titel ständig vorrätig. Sie können über Nacht an 5600 Buchläden in Deutschland sowie Österreich und der Schweiz – die sogenannten Sortimenter – ausgeliefert werden.

Der Auftritt auf der Buchmesse soll „ein klares Signal in Richtung Zukunft“ setzen, sagt der vorläufige Insolvenzverwalter Tobias Wahl. KNV will in Leipzig auch eine neue Kooperation mit dem Buchhandel vorstellen. Vier Wochen nach dem Branchen-Schock verbreitet der Anwalt und Sanierungsexperte Zuversicht. Der Betrieb des Mitte des 19. Jahrhunderts gegründeten Grossisten habe sich stabilisiert.

KNV und zwei weitere Grossisten machen es möglich, dass ein Buch am nächsten Werktag in den Laden zugestellt wird. Diese tragende Säule im deutschen Buchgeschäft hilft den Buchhändlern auch im immer härter werdenden Kampf mit dem Online-Konzern Amazon.

Nach der Insolvenz von KNV wurden im Handel erhebliche Lieferschwierigkeiten befürchtet. Außerdem war die weitere Kooperation der Verlage unklar. Diese befürchten ohnehin erhebliche Verluste, da die an KNV im Weihnachtsgeschäft überlassenen Bücher noch nicht bezahlt wurden.

Wie hoch diese Forderungen sind, ist unklar. Der Insolvenzverwalter hat jedoch – mit Erfolg – um Vertrauen geworben. Die Verlage haben die Sicherheit erhalten, dass neue Forderungen (Massenverbindlichkeiten) an KNV zuerst bedient werden, bevor die alten Insolvenz-Forderungen bezahlt werden. Das hat die Abläufe wiederhergestellt. Die Buchhandlungen melden weitgehend Normalbetrieb.