nach oben
Die Badische Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Markus Huber mit dem Pianisten Martin Stadtfeld. Foto: Tilo Keller
Die Badische Philharmonie Pforzheim unter der Leitung von Markus Huber mit dem Pianisten Martin Stadtfeld. Foto: Tilo Keller
Überraschung: Die Sopranistin Franziska Tiedtke tritt als Erzählerin auf. Foto: Tilo Keller
Überraschung: Die Sopranistin Franziska Tiedtke tritt als Erzählerin auf. Foto: Tilo Keller
17.10.2017

Auftakt der Theater-Sinfoniekonzerte mit Pianist Martin Stadtfeld

Pforzheim. Einen großen Bogen schlägt die Badische Philharmonie Pforzheim unter ihrem Generalmusikdirektor Markus Huber beim ersten Sinfoniekonzert des Theaters Pforzheim in dieser Saison – nicht unbedingt zeitlich, aber inhaltlich. So beginnt der bestens besuchte „Goldstadtzirkel weltberühmter Pianisten“ im CongressCentrum mit den kindlich-naiven Märchen von Charles Perault, die Maurice Ravel zu seinem – zunächst für Klavier zu vier Händen komponierten – Zyklus „Ma Mère l’oye“ (Meine Mutter, die Gans) inspiriert haben.

Es folgt Sergej Rachmaninows populäres Klavierkonzert Nr. 2 c-Moll op. 18 mit seiner Weite an Melodien und spätromantischen Melancholie. Und schließlich, zum Lutherjahr und festlichen Abschluss, erklingt die „Reformations-Sinfonie“ D-Dur op. 107 von Felix Mendels-sohn Bartholdy, bei der am Ende das Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ in allerlei Variationen erstrahlt.

Doch zurück zum Anfang, der eine Überraschung bereithält: An der Seite von Huber betritt die Sopranistin Franziska Tiedtke die Bühne – doch nicht als Sängerin, sondern als Erzählerin. Zu jedem Stück von „Ma Mère l’oye“ hat Ravel eine Inhaltsangabe gemacht, die Tiedtke mit ungewohnt dunkler Stimme vorträgt.

Ob vom kleinen Däumling, der nicht heimfindet, weil die Vögel seine Weg-Saat picken, oder vom feurigen Kuss im Feengarten – die impressionistische Musik wird damit noch bildhafter. So beginnt die Pavane von Dornröschen sanft und geheimnisvoll, Flöte und Schlagwerk erhellen die lebhaften, chinesischen Klänge beim Aufmarsch der Kaiserin Laideronette, und bei der Schönen und dem Tier bringt erst das Harfenglissando wieder Ruhe in die dunkle Bedrohung durch das tiefe Blech.

Mit perlender Brillanz

Für das Klavierkonzert führt der Dirigent den großen, schlanken Pianisten Martin Stadtfeld herein, der schon vor zwei Jahren für Furore in Pforzheim gesorgt hat. Diesmal also Rachmaninow – und eine zauberhaft zurückhaltende Zugabe, bei der der 37-Jährige seinen Sinn fürs Schlichte unterstreicht. „So etwas wie ein Choral“ von Robert Schumann spielt er für das begeisterte Publikum. Hauchzart, betont langsam – es sind nur wenige Töne, und doch sind sie voller Gefühl.

Ähnlich unaufdringlich, aber sehr virtuos wirkt auch sein Interpretationsansatz von Rachmaninow, den er mit perlender Brillanz, Rasanz und klarem Anschlag zum Ausdruck bringt. Vor allem sind es die ruhigen, unendlichen Melodien wie im zweiten Satz, die Stadtfeld meisterhaft versteht und nie ins romantisch Seichte abrutschen lässt. Auf seinem eigenen, niedrigen Klavierhocker beginnt er zügig mit den Glockenakkorden des Kopfsatzes, vibriert mit dem Pedalbein bei den Arpeggien zum kraftvoll-wogenden Streichersatz. Berührend schön auch die Flöte und Klarinette im langsamen Satz, mitreißend das sowohl drängende als auch melodiöse Finale. Keinesfalls nur kämpferisch, sondern gut differenziert kommt Mendelssohns „Reformations-Sinfonie“ daher.

Kräftige Pauken und Bläser tönen neben jagenden Streichern im ersten Satz. Mit tänzerischer Leichtigkeit erklingt der zweite, mit tiefer Traurigkeit der dritte Satz. Bemerkenswert im vierten ist, wie der lieblich vorgetragene Lutherchoral in festliche Tutti und eine Reihe von Variationen übergeht und am Ende noch einmal triumphal zelebriert wird. Die Zuhörer spenden donnernden Applaus für Orchester und Solist.