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Mit dem SWDKO unter Timo Handschuh (von rechts) gelingt dem Trompeter Gábor Boldoczki zusammen mit dem SWDKO-Konzertmeister Michael Ewers eine stimmungsvolle Eröffnung der Maulbronner Klosterkonzerte. Foto: Fotomoment
Mit dem SWDKO unter Timo Handschuh (von rechts) gelingt dem Trompeter Gábor Boldoczki zusammen mit dem SWDKO-Konzertmeister Michael Ewers eine stimmungsvolle Eröffnung der Maulbronner Klosterkonzerte. Foto: Fotomoment
09.05.2016

Auftakt nach Maß: Maulbronner Klosterkonzerte eröffnen mit Gábor Boldoczki

Maulbronn. Angefeuert von rasanten und scheinbar spielerisch leichten Läufen schwebt ein Trompetenton im Raum. Hinreißend musiziert der preisgekrönte Star-Trompeter Gábor Boldoczki gemeinsam mit dem von Timo Handschuh geleiteten Südwestdeutschen Kammerorchester Pforzheim (SWDKO) in der Maulbronner Klosterkirche, deren abendlich-mystischen Kerzenschein die Interpreten mit edlen Klangfarben ausschmücken.So gelingt den diesjährigen Klosterkonzerten ein Auftakt nach Maß.

Die Festival-Eröffnung ist nicht nur ein großer Publikumserfolg, sondern ein Ereignis, das musikalisch kaum zu toppen sein dürfte. Boldoczki und seine Mitstreiter spielen aus dem Programm seiner neuen CD „Tromba Veneziana“ Bearbeitungen von Vivaldis Konzerten, die der venezianische Komponist für Oboe oder Violine geschrieben hat.

Die beiden Ecksätze im Konzert für Trompete, Violine, Streicher und Generalbass in A-Dur (RV 548) zeichnen sich durch dynamische Kontraste und metallischen Bläserglanz aus. Besonders beeindruckt der „Largo“-Mittelsatz, in dem das wechselseitige Frage- und Antwortspiel von Trompete und Sologeige (mit dem Konzertmeister Michael Ewers) ein zartes Klangbild formt. Die Klasse eines Trompeters erweist sich im Pianissimo – bei Boldoczki muss man von himmlisch leisen Passagen sprechen.

Mit Virtuosen-Zauber

Geschmeidig präsentiert sich Vivaldis Konzert D-Dur (RV 230), wobei in den schnellen Sätzen Boldoczkis Virtuosen-Zauber zum Zuge kam, und im „Larghetto“ seine schnörkellosen Phrasierungen leuchten. Ein variabler Ton und facettenreiche Details sind Markenzeichen der Interpretation von Giuseppe Torellis Trompetenkonzert in D-Dur. Auch hier begleitet das Kammerorchester nicht nur, sondern füllt die Rolle eines Mitgestalters selbstbewusst aus. Zudem gibt es eindrucksvolle Kostproben der kammermusikalischen Kompetenz des Handschuh-Ensembles im Barock-Repertoire mit einer Sinfonia von Giovanni Battista Sammartini, Tommaso Albinonis „Sonata a cinque“ in g-Moll und Georg Friedrich Händels Concerto grosso D-Dur (op.6, Nr.5).

Für den Abschluss tauscht Boldoczki seine hohe Trompete mit einem tiefer gestimmten Flügelhorn und spielt, wiederum zusammen mit Ewers und dem Orchester, aus Vivaldis Serenata „Andromeda liberata“ das „Sovvente il sole“ – ein herrlich arioses Kantilenstück mit sattem, melancholisch-sehnsüchtigem Bläserton. Kein Wunder, dass der Applaus der begeisterten Zuhörer da nicht enden will.