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Schätzmeisterin Alessandra Thornton begutachtet Schmuck von Rentnerin Anneliese Gesswein im Wiener Dorotheum. Die Rentnerin hofft, dass die Preziosen auktionswürdig sind. Foto: Röder
Schätzmeisterin Alessandra Thornton begutachtet Schmuck von Rentnerin Anneliese Gesswein im Wiener Dorotheum. Die Rentnerin hofft, dass die Preziosen auktionswürdig sind. Foto: Röder
14.02.2018

Auktionen: Hoffen auf den großen Coup -häufig Rekordpreise erreicht

Wien/Pforzheim. In der kleinen Box purzeln die bunten, goldgefassten Ringe und Broschen durcheinander. Durch die Lupe hat Schätzmeisterin Alessandra Thornton sehr schnell erkannt, was davon taugt. Immerhin drei Schmuckstücke werden für auktionswürdig befunden. „Ich bin immer wieder überrascht“, sagt die 76-jährige Anneliese Gesswein zufrieden lächelnd. Schon oft hat sie bei den Expertentagen des Wiener Auktionshauses Dorotheum Rat gesucht – und ein nettes Zubrot für ihre Rente gefunden. Ein von ihr eingeliefertes Jugendstil-Kaffeeservice, aus dem Nachlass einer Freundin, habe bei der Versteigerung 1000 Euro gebracht, erinnert sie sich.

Ermutigt von spektakulären Millionen-Verkäufen bei Auktionen und von TV-Sendungen wie der Trödelshow „Bares für Rares“ (ZDF), sichten oftmals Erben, was Schubläden und Schränke, Keller und Dachböden hergeben. „Die Antik-Shows im Fernsehen spüren wir“, sagt Uli Prinz, Möbel-Experte des Dorotheums. Viele Menschen bringen ihre Wertstücke voller Hoffnung auf einen kleinen oder großen Coup. „Die Erwartungshaltung wächst“, sagt die Dorotheums-Expertin für Zeitgenössische Kunst, Petra Schäpers.

Wer Gemälde, Schmuck, Skulpturen oder andere Wertgegenstände beim Auktionshaus anbringen kann, darf mehr denn je auf einen Verkauf hoffen. Die Branche spürt Aufwind – auch in Deutschland. Dank der Schlagzeilen über Sensationspreise und dank Internet würden sich mehr Menschen als früher für die Lose interessieren und mitbieten, so der Präsident des Bundesverbands Deutscher Kunstversteigerer, Rupert Keim. Waren einst meist Händler unter den Bietern, seien heute die Privatleute deutlich in der Überzahl.

Keim schätzt, dass 2017 der Gesamtumsatz in Deutschland bei Versteigerungen leicht auf 250 bis 300 Millionen Euro gestiegen ist. Besonders gefragt sei die Bildende Kunst der Nachkriegszeit. 500 000 Euro sollte man für ein schönes zeitgenössisches Werk einplanen, meint Keim. Ein Maler wie Günther Uecker erziele Hammerpreise von zwei Millionen Euro.

Schmuck zeichne sich durch eine stabile Nachfrage aus. Da bleibe jenseits der Kunst schon der Materialwert. „Einen Diamanten mag jeder“, sagt Keim. Bei allen Chancen, die Auktionshäuser bieten, ist der Preis auch Glückssache sowie eine Frage des Trends – und längst nicht alle Stücke finden einen Bieter. „Eine Verkaufsquote von mehr als 60 Prozent ist schon gut“, sagen die Experten des Wiener Auktionshauses, das 1707 gegründet wurde und mit 40 Filialen auch in Deutschland zu den großen Versteigerern in Europa zählt.

Im Auktionsgewerbe ist laut Keim angesichts der Superreichen eine Schallmauer in greifbare Nähe gerückt. Der Verkauf des Leonardo-Werkes „Salvator Mundi“ für 450 Millionen Dollar sei nicht das letzte Wort gewesen. „Alles ist drin. Auch ein Milliardenzuschlag – zum Beispiel für einen fantastischen Raffael.“

Andererseits seien gerade derlei Berichte über Höchstzuschläge ein Problem, sagt auch der Pforzheimer Auktionshaus-Inhaber Peter Kiefer. „Dabei haben die meisten Auktionshäuser sehr vieles anzubieten, was für ,Normalbürger‘ sehr interessant sein kann.“