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Jasmin Horvath (Zweite von rechts) von der Stadtbibliothek freut sich, dass Claus Kuge, Regina Fischer und Jörg Bruckschen (von links) in die Welt der Bücherverbrennung einführen. Foto: Molnar
Jasmin Horvath (Zweite von rechts) von der Stadtbibliothek freut sich, dass Claus Kuge, Regina Fischer und Jörg Bruckschen (von links) in die Welt der Bücherverbrennung einführen. Foto: Molnar
12.05.2017

Aus den Flammen gerettet: Lesung zur Bücherverbrennung

„Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ heißt die Lesung am 10.Mai - dem Tag, an dem die Nationalsozialisten 1933 Bücher unliebsamer Schriftsteller ins Feuer warfen.

Pforzheim. Zum neunten Mal veranstaltete die Löbliche Singergesellschaft in Kooperation mit der Stadtbibliothek eine Lesung mit (kunst-)historischem Vortrag am 10. Mai – dem Tag, an dem die Nationalsozialisten 1933 Bücher unliebsamer Schriftsteller ins Feuer warfen. „Verbotene Dichter, verbrannte Bücher“ heißt denn auch die jährliche Reihe mit Obermeister Claus Kuge, Schauspieler Jörg Bruckschen und Kunsthistorikerin Regina Fischer, die sich dieses Mal dem Widerstand, Exil und der inneren Emigration von bildenden Künstlern widmet.

Während Kuge die gesellschaftlichen Entwicklungen in Europa und die schnellen Schritte der Nazis nach der Machtübernahme skizziert, liest Bruckschen aus Hitlers Schrift „Zum wirtschaftlichen Wiederaufstieg von Deutschland“ von 1927. „Jedes Volk braucht zur Entfaltung seines eigenen Ichs den nötigen Raum auf dieser Welt“, zitiert er Hitlers Thesen in harschem Ton.

Weitere nationalsozialistische Texte folgen: So liest Bruckschen einen Auszug aus dem Katalog zur Ausstellung „Entartete Kunst“, die 1937 in München mit Werken von Kandinsky, Kirchner oder Nolde gezeigt wurde. „Sie will Einblick geben in das grauenhafte Schlusskapitel des Kulturzerfalls der letzten Jahrzehnte vor der großen Wende“, heißt es darin.

Anschaulich stellt Fischer dazu die Kunst des Nationalsozialismus, bei der Soldaten, Heldenmütter oder deutsche Frauen im Zentrum standen, den Künstlern im Widerstand gegenüber. „Viele gingen ins Exil oder in die innere Emigration“, sagt die Kunsthistorikerin. Auch Karikaturen und Selbstbildnisse von Pforzheimer Künstlern wie Richard Ziegler oder Wilhelm Hager führt Fischer auf Leinwand vor. Pathetische Skulpturen von Arno Breker oder Josef Thorak wurden indes von den Nazis bei der „Großen Deutschen Kunstausstellung“ hochgehalten. „Nach der Diktatur standen viele Künstler vor dem Nichts“, betont Kuge zum Schluss.