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Kord Michaelis spielte als Krankheitsvertretung ein Orgelkonzert.  Foto: Volz 

Aus der Düsternis zum Adventslicht: Kord Michaelis spielt Orgelkonzert

Pforzheim. Der Start der „Atempause im Advent“, die jedes Jahr musikalische Ruhepole im Vorweihnachtsgetriebe anbietet, verlief dieses Mal ungeplant. Organist Rolf Schönstedt musste kurzfristig wegen einer verstauchten Hand absagen. Das Publikum kam trotzdem in den Genuss eines Orgelkonzertes: Landeskirchenmusikdirektor Kord Michaelis sprang ein und gestaltete mit Stadtkirchenpfarrer Hans Gölz-Eisinger die erste Atempause.

Ausgewählt hatte er Werke von Komponisten des nord- und mitteldeutschen Barocks, ein etwas sprödes Programm. Sie führten, wie Pfarrer Gölz-Eisinger erläuterte, in ihrer musikalischen Aussage aus der Düsternis der Zeit zwischen den Kirchenjahren nach dem Totensonntag zum Licht des ersten Adventssonntags hin.

Den Auftakt bildete das Präludium a-Moll BVW 543 von Johann Sebastian Bach (1685 bis 1750), das mit seinen treibenden Triolenläufen und seiner düsteren Stimmung vom „Wüten der Welt“ erzählt, wie Gölz-Eisinger interpretierte. Abwechslungsreich und den einzelnen Strophen nachgespürt die Choralbearbeitung mit acht Partiten „Ach wie flüchtig, ach wie nichtig“ von Bachs Lehrer Georg Böhm (1661 bis 1733), Organist in Lüneburg.

Schon näher ans Licht heran führte das fast modern wirkende Präludium fis-Moll von Dieterich Buxtehude (1637 bis 1707), geschrieben im aus der Improvisation entstandenen „stylus phantasticus“, ein lebhaft fließendes, stellenweise fast fröhliches Stück mit virtuosen Verzierungen.

Es folgten drei von sechs Choralbearbeitungen aus den „Schübler-Chorälen“ von Bach, welche dem Ende des Kirchenjahres und dem Advent zugeordnet werden: „Wo soll ich fliehen hin“, „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ und – das nicht im Gesangbuch enthaltene – „Kommst du nun, Jesu, vom Himmel herunter“.

Mit brausend feierlicher Virtuosität zum Abschluss das „Praeambulum in E-Dur“ von Vincent Lübeck (1654 bis 1740). Es gilt als herausragendes Werk im schmalen Œuvre des wenig bekannten und beachteten Hamburger Organisten. Dankbarer Beifall.

Weitere Atempausen im Advent, evangelische Stadtkirche Pforzheim, jeweils um 18 Uhr: Freitag, 6. Dezember: Zweite Atempause im Advent mit Kord Michaelis und Christiane Quincke. Freitag, 13. Dezember: Dritte Atempause im Advent mit Daniel Seeger und Thomas Münstermann. Freitag, 20. Dezember: Vierte Atempause im Advent mit Heike Hastedt und Joachim Becker.