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14.03.2014

Ausgezeichnete Verkäufe auf der elften art KARLSRUHE

Nach erfolgreicher Preview und ausgezeichneten Verkäufen schon bei der Vernissage der art KARLSRUHE starteten viele der Aussteller gutgelaunt in den ersten Messetag am Donnerstag. "Sie sehen einen sehr zufriedenen Händler", strahlte Hans Maulberger. Der Münchner Galerist verzeichnete Verkäufe im sechsstelligen Bereich. Werke von Emil Schumacher und Heinz Mack wechselten bereits am Vernissage-Abend den Besitzer.

Für ein Gemälde von Conrad Westpfahl erzielte Maulberger 60.000 Euro, für ein Werk von Rolf Cavael 45.000 Euro. Abgerundet wurde die gelungene Anfangsbilanz des Galeristen durch zwei weitere bemerkenswerte Verkäufe: Fred Thielers Papierarbeit "New-s/II/64" erbrachte 29.000 Euro, Michael Croissants Bronzefigur "Kopf" (1975) 10.800 Euro. Auch für den Dresdner Johann Döbele lief es hervorragend an. "Wir waren zu viert am Stand und völlig ausgelastet", so schilderte er den Andrang am Vernissage-Abend. Gleich zu Messebeginn konnte er Max Ackermanns "Ohne Titel (Sonnenblumenmädchen)" von 1932 für 100.000 Euro abgeben, und die "Gruppierung" (1964-67) von Eugen Batz ging für 90.000 Euro an eine Privatsammlung.

Doch nicht nur in diesem Segment verbuchten die Galeristen einen erfreulichen Messeauftakt. In Halle 1, wo die Sektion "Limited" mit Editionskunst zu finden ist, war – wie schon im letzten Jahr – Stefan Strumbel ein Verkaufsgarant. 2013 hatte der Pop-Artist aus dem Schwarzwald mit einer Sonderaktion und der Jubiläumsedition zur zehnten art KARLSRUHE für Aufsehen gesorgt. Und auch in diesem Jahr konnte Strumbels Berliner Galerie Circle Culture Erfolgsmeldungen verkünden. "Wir sind happy mit den Umsätzen", ließ Franca Gelfort wissen. Mehrere Uhrenskulpturen und zahlreiche Editionswerke seien schon an die Sammler gebracht worden. Auch am Stand gegenüber, bei Premium Modern Art (Heilbronn), registrierte man einen erfolgreichen ersten Messetag: Rund 40.000 Euro Umsatz, dazu starker Besucher-Andrang bei der One-Artist-Show. Kein Wunder, war doch einer der Pioniere der Pop Art, der Texaner James Francis Gill, persönlich am Stand zugegen. Wer diesen Termin verpasst hat, für den bietet sich am Wochenende, jeweils von 14 bis 17 Uhr, eine weitere Gelegenheit, mit dem Künstler ins Gespräch zu kommen, so der Galerist Ted Bauer. In Sektlaune war Sybille Nütt aus Dresden, die in der dm-arena in der Sektion "Contemporary Art" ausstellt. "Es waren zwei lebhafte Tage mit vielen interessanten Gesprächen, schönen Optionen und etlichen Verkäufen", so lautete ihr Fazit nach dem ersten Messetag. "Das war etwas ganz Besonderes gestern", beschrieb der Künstler Thitz die begeisterten Reaktionen der Sammler auf seine Werke, die er am Stand der Galerie Rothamel (Erfurt und Frankfurt am Main) präsentierte. Neun seiner Gemälde fanden aus dem Stand einen neuen Besitzer, darunter "Green City Trees" für 12.800 Euro. Versteht sich, dass Jörk Rothamel ins Schwärmen gerät: "Viele Sammler, interessante Museumskontakte und gute Verkäufe", urteilt der Galerist.

Hans Platschek-Preis an Sandra Boeschenstein

Einen weiteren Höhepunkt im Begleitprogramm markierte am Donnerstag die Verleihung des Hans Platschek-Preises. Vergeben wird er im Gedenken an den 2000 verstorbenen Maler und Schriftsteller. Seit 2008 erhält den Preis bei jeder Messe ein Künstler, dessen Werk ebenso vielseitig ist wie das des schreibenden Malers Hans Platschek.Neben dem Preisgeld von 5.000 Euro ist die Auszeichnung mit einer Ausstellung auf der art KARLSRUHE verbunden. Mit Solo-Jurorin Ulrike Groos (Leiterin des Kunstmuseums Stuttgart) benannte erstmals eine Frau einen Preisträger: In diesem Jahr die Schweizer Künstlerin Sandra Boeschenstein. Die 1967 geborene Zeichnerin beherrsche nicht nur die Arbeit mit Feder und Stift, sie sei auch eine Meisterin der Worte, erläuterte Groos in der Laudatio. "Das Zeichenblatt wird bei Boeschenstein zur Welt-Bühne, auf der schließlich auch Bild und Sprache zusammentreffen", beschrieb sie die erzählerischen Text-Bild-Dialoge, zarte,schwarzweiße Werke, ergänzt durch Sätze, Satzfragmente und Aphorismen. Mit beeindruckender Sprachgewandtheit bedankte sich die Künstlerin in ihrer Dankesrede. Ihre fiktiven Fragen an Hans Platschek – sie betrafen etwa die Wechselwirkung von Kunst und Wirklichkeit – belegten die intensive Auseinandersetzung mit dessen Schaffen. Sandra Boeschensteins Zeichnungen, die am Stand der Platschek-Stiftung in Halle 1 zu finden sind, treten in einen Dialog mit Collagen und Gemälden von Hans Platschek.Über diese Nachbarschaft auf Zeit zeigte sich die Künstlerin hoch erfreut.

Der erste Teil des ARTIMA art meeting

Bereits zum siebten Mal ermöglicht die Kunstversicherung der Mannheimer das ARTIMA art meeting, eine zweitägige Debatte zu aktuellen Fragestellungen im Kunstbetrieb. "Malerei – mehr als ein immer wiederkehrender Trend", so lautete das Thema, das Carl Friedrich Schröer, Kunstjournalist und Moderator des ARTIMA art meetings, mit seinen Gästen am gestrigen Nachmittag erörterte. Den Auftakt machte Eske Nannen, Sammlerin und Geschäftsführerin der Kunsthalle Emden. Deren Sammlung mit Werken der Glasnost-Zeit und der Klassischen Moderne wird in einer Sonderausstellung in Halle 1 präsentiert. Eindrücklich erzählte sie von der Begegnung mit russischen Künstlern, die ihr Mann Henri Nannen, langjähriger Herausgeber und Chefredakteur des "Stern", in den achtziger Jahren besucht hatte, um sie in seiner Ausstellung "Glasnost. Die neue Freiheit der sowjetischen Maler" (1988) zu präsentieren. Lenina Nikitinas "Man will leben!" aus dem Zyklus "Opfer der Blockade" (1973) gemahnt an die deutsche Belagerung von St. Petersburg während des Zweiten Weltkrieges. Das Gemälde zeigt, wie eine Katze geschlachtet wird, weil der Hunger den Notleidenden keine andere Wahl lässt. Nicht weniger einprägsam Lew Iljitsch Tabenkins Bild "Frau mit dem Brot" (1987), das für Eske Nannen ein "Sinnbild der Russen" darstellt. Von diesem Werk waren sie und Henri Nannen auf den ersten Blick so begeistert, dass der Erwerb fast zwangsläufig erfolgte. "Ich habe geschrien in meinen Bildern, niemand hörte aber diese Schreie", zitierte Eske Nannen den Maler Maxim Kantor, dessen Worte dazu verpflichten, als Sammler diese Bilder auszustellen, damit diese gehört werden. Henri Nannen beschrieb sie als einen intuitiven Sammler, doch betonte sie auch, dass man das Sehen – den "guten Riecher" wie Schröer es ausdrückte – lernen kann.

Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie Stuttgart, sprach als zweite Rednerin für das Museum. Dieses sei ein Garant für Expertenwissen und verlässliche Einschätzung der Qualität von Kunst. Sie hielt ein Plädoyer für das Museum, das keinem Privatgeschmack huldigt, und erläuterte ihren Blick auf das Medium Malerei. Diese sei eine Ausdrucksform mit der man jenseits unserer abstrakten Sprache kommunizieren könne und nicht totzukriegen, so die Museumsleiterin. Auch der Maler Bernd Zimmer, der dritte Podiumsgast am Donnerstag, beschrieb die Faszination der bildnerischen Sprache, die ihn zur Malerei gebracht hat. "Ich habe in ihr das Medium gefunden, in dem ich mich am besten ausdrücken kann", bekräftigte Zimmer.