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Rainer Bartels (rechts) erläutert bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Brötzinger Art, was ihn an dem Gemälde von Klaus Hruby fasziniert. Foto: Bechtle
Rainer Bartels (rechts) erläutert bei der Ausstellungseröffnung in der Galerie Brötzinger Art, was ihn an dem Gemälde von Klaus Hruby fasziniert. Foto: Bechtle
14.08.2017

Ausstellung „big“ in der Galerie Brötzinger Art eröffnet

Pforzheim. Das Thema ist noch lange nicht erschöpft und die Neugier noch lange nicht erlahmt: Ausstellungen von privaten Kunstsammlungen sind ein Bereich mit interessantem doppelbödigem Spektrum, in dem sich Vertrautes mit der individuellen Sichtweise des Sammlers vereinigt. Das hat ein Eigenleben, das fasziniert, das reizt zum Entdecken. In der Galerie Brötzinger Art drängten sich am Freitagabend die Besucher vor den Bildern aus der Sammlung von Rainer Bartels derart, dass einige sogar in den strömenden Regen nach außen auswichen. „big“ hatte Bartels die großformatigen ausgestellten Arbeiten überschrieben – ein Begriff, der dem Eröffnungsabend in jeder Hinsicht gerecht wurde.

13 ganz unterschiedliche Werke

Die Ausstellung mit 13, mitunter Wand füllenden Bildern, will sich keiner Kunstrichtung und schon gar keinem Trend zuordnen lassen. Hier gilt nur eine Maxime: Die des Sammlers – und die heißt: Was hat mir das Bild zu sagen, was bedeutet es für mich und meine Auseinandersetzung mit dem Leben? Bartels nutzt in seiner kurzen Einführungsrede Begriffe wie das Aufblitzen von Zufällen, von Wünschen und großem Donner. Es geht nicht nur um die Lust des Sehens, sondern auch die Sehnsucht zu begreifen, neuer Wahrheiten im Dialog gegenwärtig zu werden. Es ist die gelungene, sehr persönliche Partnerschaft zwischen Wahrnehmung und Deutung, die diese Schau prägt.

„big“ – das große Format dominiert, und das ist zunächst das Einzige, was sich auf die Schnelle als Verbindendes zu erkennen gibt, so unterschiedlich sind die Produktionsweisen, die Stile und Aussagen der Exponate. Das ureigenste Terrain des inneren Bandes bleibt verborgen. Es sei denn, der Sammler gibt die Schranke frei. Rainer Bartels, der für die Ausstellung Arbeiten von Leonard Bullock, Harald Falkenhagen, Per Gernhardt, Anina Gröger, Klaus Hruby, Wolfgang Kappis, Sylvia Kiefer, Izumi Kobajashi, Herbert Leupin, Manfred Mohr, Cynthia Simon, Heinz Treiber und Berjemo M. Guillermo ausgesucht hat, gibt gerne Auskunft darüber, was dem Bild seinen Bestand gewährt. Jedes Bild hat seine Geschichte. So zum Beispiel Sylvia Kiefers „Fluchtprinzip“, eine auf Papier gemalte, intensiv erdfarbige Gouache: Vor vielen Jahren führte Bartels eine Konferenz in Australien auch zu den Aborigines: „Ihre klare, fast röntgenhafte Sicht auf das Leben beeindruckte mich sehr.“ Jahre später, bei der Ausschreibung eines Kunstpreises durch den Fachverband für Strahlenschutz, begegnete er im Bild der Karlsruher Malerin der sich drehenden Welt der Aborigines mit dem Ursprung des Lebens, fremden Welten und Galaxien wieder. „Ich habe dieses Bild unbedingt kaufen müssen“, erläutert er den Gefühlsmoment des Erkennens vor einem Bild.

Oder das Bild „Angry woman“ der amerikanischen Schauspielerin und Malerin Cynthia Simon – einer Frau, die diskriminiert und mehrfach in New York vergewaltigt wurde. „Dies ist eines der wenigen Bilder, die ich ohne Kenntnisse über den Künstler gekauft habe“, sagt Bartels, beeindruckt von der Intensität und Unmittelbarkeit des Ausdrucks. „Sie hat durch die Galerie Asperger und die Ankäufe die Möglichkeit erhalten, ein größeres Oeuvre und damit auch ihre Wut zu zeigen.“

Innere Zwiesprache

Eine „Ansammlung“ nennt Bartels seine Bilder, die ein Qualitätsanspruch verbindet. Und nein, in seinem Wohnzimmer hängt nichts davon an der Wand. Es geht um innere Zwiesprache und die Entwicklung einer eigenen Wertbestimmung, die hier auch vom Betrachter eingefordert wird. In der drangvollen Enge der Eröffnung war das kaum möglich – die Sonderausstellung bietet aber noch fast eine Woche Gelegenheit dazu. Noch bis zum 20. August (Finissage mit Rundgang durch die Ausstellung um 16 Uhr) besteht die Möglichkeit, in einen Dialog mit den Bildern und ihrem Sammler zu treten.