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Inge Rau mit „Curtain“, einer Arbeit auf Stahl, und drei Kleinformaten. Foto: Meyer
Inge Rau mit „Curtain“, einer Arbeit auf Stahl, und drei Kleinformaten. Foto: Meyer
11.01.2018

Ausstellung der Künstlerin Inge Rau in der Galerie Brötzinger Art

Pforzheim. Zeit, Zerfall und Vergänglichkeit – das sind die Themen, die Inge Rau mit ihren Arbeiten sichtbar macht. Etwa 40 Werke zeigt die Künstlerin aus dem oberschwäbischen Dietelhofen bei Biberach ab Freitag in der Galerie Brötzinger Art. Mit ihrem Katalog und Bildmaterial hatte sie sich dort beworben.

Jahrelange Experimente

Rau, die Kunst als Hauptfach an der Pädagogischen Hochschule in Reutlingen studiert hat, arbeitet seit 1995 als freiberufliche Künstlerin. „Mein Hauptinteresse galt schon immer den Techniken des Tiefdrucks, bei denen Säuren zum Einsatz kommen“, sagt sie. Inspiriert durch das jahrelange Experimentieren mit diesen Techniken, beschäftigt sie sich seit 2011 mit den künstlerischen Möglichkeiten der Säurekorrosion.

Sie nutzt den Korrosionsprozess, um vergehende Zeit, die Schönheit in der Vergänglichkeit und diese eigenwillige Ästhetik im Zerfallsprozess zu visualisieren. Mit dieser Ausstellung kommt Inge Rau zur richtigen Zeit, in der auch politische und gesellschaftliche Strukturen immer mehr zu zerfallen drohen.

Ihre meist älteren Werke auf Leinwand saugen die Säure auf. So entstehen flächige, wolkenartige Strukturen. Auf Stahl dagegen verläuft die Säure, es sind spannende Linien und kristalline Formen entstanden, abstrakte Arbeiten voller Rost und Patina, manche haben durch das Aufbringen von Kupferspänen Grünspan angesetzt. Bei einigen Werken fügt Rau Blattgold hinzu, das durch seinen Glanz das stumpfe, matte Erscheinungsbild der rostigen Korrosion verstärkt und konträr zur Aussage der Vergänglichkeit steht. Im Gang der Galerie hängen Arbeiten auf Paper mit dreidimensionaler Wirkung, die bisweilen an Landschaften erinnern. Schließlich zeigt die Ausstellung Werke, in denen Rau zusätzlich schichtet, collagiert, montiert und grafische Zeichen verwendet. Es sind Bildkörper, die an das Durchstreifen alter Hafen-und Industrieanlagen erinnern – alles dem Verfall preisgegeben.

„Im Gegensatz zur Malerei hat mich schon immer schwer zu bearbeitendes Material fasziniert“, sagt Rau über ihre aktuellen Projekte mit Stahl. Es sei diese stetige Auseinandersetzung, die sie reize, dieser Zweikampf, inwieweit sich der Stahl manuell oder mit Säure bearbeiten lässt und ab wann sich ihr das Material durch seine vorgegebene Beschaffenheit verweigert, ihr sozusagen seinen Willen aufzwingt. Ein Spagat zwischen künstlerischer Einflussnahme und Zufall durch die Beschränkungen des Arbeitsstoffes. „Das ist lebendiger, als wenn man alles plant.“