nach oben
Am Sonntag wird die Ausstellung „Porträt des Ortes“ im Hohenwart Forum eröffnet. Foto: Moritz
Am Sonntag wird die Ausstellung „Porträt des Ortes“ im Hohenwart Forum eröffnet. Foto: Moritz
18.01.2019

Ausstellung im Hohenwart Forum: Vielschichtige Fantasieorte von Eugenia Jäger

Pforzheim. Wohin führt uns der Lebensweg? Ins Glück oder in die Gefahr? Was hält uns davon ab, zu stürzen? Nur ein schmales Band? Und welche Hindernisse müssen überwunden werden, um diesen Weg in die Zukunft fortzusetzen? Es sind viele Fragen, die sich beim Betrachten der Bilder von Eugenia Jäger aufdrängen. Antworten gibt die Malerin nicht, die muss der Betrachter bei sich selbst suchen. Mit einer spannenden Ausstellung startet das Hohenwart Forum am Sonntag in die neue Kunstsaison.

Denn die Bilder der in Baden-Baden lebenden Künstlerin sind gleich in mehrfacher Hinsicht vielschichtig: Nicht nur die Deutung lässt viele Möglichkeiten offen, auch die Technik der gebürtigen Kasachin nötigt zu einem zweiten Blick. Kongenial führt sie Malerei und Druckgrafik zusammen, fügt behutsam zeichnerische Elemente hinzu und schafft damit Oberflächen, die – obwohl meist monochromatisch – bewegt und subtil sind.

Nordisch muten ihre Bilder an und zeitlos. Meist in Schwarz-, Weiß- und Grautönen gehalten, setzt Jäger nur sparsam Farbe ein. Häufig sind es Motive aus alten Zeitungen, Bilder aus dem eigenen Fotoalbum, die sie verfremdet und als Siebdruck auf die Leinwand bringt, ehe sie malerisch be- und überarbeitet werden. Wölfe und skandinavische Landschaften sind ein Schwerpunkt im malerischen Schaffen der 55-Jährigen – beeinflusst durch mehrere Stipendienaufenthalte in Schweden.

Aber auch Selbstporträts mit Gummistiefeln und Retro-Rock tauchen immer wieder auf, wobei sie sich als losgelöste Figur ohne Gesicht oder von der Taille abwärts in Szene setzt. Und es damit dem Betrachter erlaubt, in ihre Rolle, unter ihre Haut zu schlüpfen. „Porträt des Ortes“ ist ihre Ausstellung in Hohenwart übertitelt – und tatsächlich sind neben den Menschen- und Wolfsbildern vor allem Orte das Thema der Künstlerin und Kuratorin: Fantasieorte, Sehnsuchtsorte, Wege, die schneebedeckt und von Holzgeländern gesäumt in die Tiefe führen, in einen grauen Raum zwischen schwarzen Wänden. „Die Grenzen unserer Wahrnehmung, die Zerbrechlichkeit von Zeit- und Raumparametern“, beschäftigen sie. Und „die Auswirkung des Menschen auf seine Umwelt“, die in ihrer Sicht „zur Verzerrung unserer Wahrnehmung führen kann.“ Und so haben viele ihrer Figuren und ihrer schmalen Holzstege etwas Schwebendes, sind nicht fest verortet, ein Spiel zwischen Realität und Fiktion.

46 Werke sind im Forum ausgestellt – vieles großformatig und in Mischtechnik, manches bewegt geometrisch, wie die „Kreise“ (Radierung und Prägedruck). Und es gibt zarte Bleistiftzeichnungen, die den feinen Humor der Künstlerin ausstrahlen

Die Ausstellung mit Werken von Eugenia Jäger im Hohenwart Forum wird am Sonntag, 20. Januar, 11 Uhr, mit einem Art-Gottesdienst eröffnet. Die Einführung hält Krisztina Jütten. Die Schau dauert bis 17. März.