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Jasna Bannert (links) und Jesamine Frei haben historische Fotos mit einer modernen Kette verbunden. Foto: Seibel
Jasna Bannert (links) und Jesamine Frei haben historische Fotos mit einer modernen Kette verbunden. Foto: Seibel
24.05.2017

Ausstellung im Kulturhaus Osterfeld widmet sich dem Verhältnis von Fotografie und Schmuck

Pforzheim. Was bringt es eigentlich, Jubiläen zu feiern? In die Vergangenheit zu schauen statt in die Zukunft? Eine ganze Menge. Das zeigt das Schmuckjubiläum – und die vielen Veranstaltungen, die mit ihm einhergehen. Heute Abend um 20 Uhr zum Beispiel wird im Kulturhaus Osterfeld die Fotoausstellung „Fotografie und Schmuck – Momente in Silber“ eröffnet. Sechs Studentinnen der Hochschule Pforzheim haben sich da mit dem Verhältnis von Schmuck und Fotografie auseinandergesetzt – einer Verbindung, die sich auch in ihren Biografien wiederfindet.

Denn die Studentinnen stehen vor dem Abschluss im Studiengang „Schmuck und Objekte der Alltagskultur“ – und verbinden ihre Schmuckleidenschaft mit dem Interesse für Fotografie. Unter der Aufsicht von Professorin Silke Helmerdig haben sie sich auf die Suche gemacht nach dem Verhältnis der beiden Künste. Sie haben herausgefunden: Eine Liebe auf den ersten Blick war es nicht, die Verbindung von Schmuck und Fotografie.

Das stellt auch Gerhard Baral heraus, der Gesamtkoordinator des Schmuckjubiläums. „Das hat alles recht spät angefangen“, sagt er. „Erste Schmuckfotografien gibt es wohl erst in den 1890er-Jahren.“ Schmuck sei lange kein Lieblingsobjekt der Fotografen. Umso erstaunlicher: Gerade aus Pforzheim haben sich einige frühe Werke erhalten – trotz der Zerstörung der Stadt.

Jesamine Frei (27) und Jasna Bannert (24) sind auf die Suche gegangen im Keller der Fakultät für Gestaltung an der Holzgartenstraße. Die wurde nicht zerstört – und auch nicht die gläsernen Schmuckfotos, die sie fanden. Sie sind der Ausgangspunkt ihres Beitrags für die Ausstellung. Geschichte und Gegenwart verbinden die beiden, sie gewinnen aus dem Alten das Neue. Drei Ketten haben sie entworfen, in die man die Fotos einfach einstecken kann – und so präsentieren. Eine ist sogar beleuchtet. So scheint – in Messing gerahmt und fotografiert – das auf, was die Studenten der 1920er-Jahre da an der Holzgartenstraße entworfen haben.

Den Spagat zwischen Historie und Moderne haben auch Melanie Janke (29) und Elisa Oberst (25) gewagt. Janke hat eine Kommilitonin ausstaffiert als Modell von gestern, mit hohem Hals und starrem Blick: Nur der Schmuck ist modern, stammt aus der aktuellen Produktion der Mitstudenten. Oberst hat es andersrum gemacht: Sie hat historischen Schmuck im Internet ergattert und ihn mit einer modern gewandeten Person konfrontiert. Die zwei Zeitebenen fließen da in eine: im Schmuck – und in den Fotos. Denn zum fertigen Foto brauchte es mehr als bloß den richtigen Augenblick am Auslöser. „Wir haben die Fotos stark bearbeitet“, sagt Janke. Die Sepia-Färbung, der seltsam historische Flimmer kommt ja nicht von alleine da rauf. „Und ich wollte mich mit meinen Fotografien an die Ästhetik moderne Magazine und Kataloge anlehnen“, sagt Oberst „Ich habe die Bearbeitung dann extra ein bisschen übertrieben.“

Auch Anna Fink und Freia Henken-Mellies sind mit ihren Arbeiten vertreten, können sie aber aufgrund ihrer Auslandssemester nicht präsentieren. Sie haben sie von Schweden und Südafrika über das Internet gesandt. Denn auch das geht: historische Beschäftigung – mit ganz modernen Mitteln.