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Imaginäre Landschaften in Großformat zeigt Anina Gröger, während von Ping Qiu Skulpturen aus Ton zu sehen sind.  Ketterl
Imaginäre Landschaften in Großformat zeigt Anina Gröger, während von Ping Qiu Skulpturen aus Ton zu sehen sind. Ketterl
Bilderfahnen hängen in den großen Fenstern des Landratsamts.
Bilderfahnen hängen in den großen Fenstern des Landratsamts.
21.09.2016

Ausstellung im Landratsamt Enzkreis wird am Mittwoch eröffnet

Wer sich dem Haupteingang des Landratsamts Enzkreis nähert, der bemerkt sofort: Hier spielt sich Kunst ab. Da, wo Menschen in das Foyer der Behörde strömen, um möglichst schnell Anfragen, Anträge oder Ansinnen zu erledigen, lädt von Mittwoch an Kunst zum Verweilen ein.

Denn mit der Ausstellung „Himmel & Erde“ von Anina Gröger und Ping Qiu präsentieren zwei Künstlerinnen Werke, die zum Schwelgen in Farben und Nachdenken über Formen einladen. Doch zuallererst fallen die über 2,50 Meter hohen Bildfahnen der Pforzheimer Künstlerin ins Auge. Vielfach übereinandergeschichtet geben sie Einblick in die Bildwelten von Anina Gröger – abstrakte Formen, die sich mal zu Landschaften, mal zu Wolkenbildern verdichten. Und je nach Lichteinfall eine ganz besondere Atmosphäre ins sonst eher nüchterne Bürogebäude zaubern.

Und Gröger setzt bei ihren speziell für diese Ausstellung geschaffenen Bildern auf starke Farben, die auch im herbstlichen Grau ihre Leuchtkraft entfalten. Himmelsbilder in starken Lila-, Blau- und Türkistönen, Sonnenbilder in kräftigen Rot-, Orange- und Gelbtönen – leuchtende Acrylfarben, die zum Eintauchen in ferne, fremde Gefilde einladen.

Eher flächiger ist der Farbauftrag in ihren jüngsten Arbeiten. Und sie stehen im Kontrast zu ihren oft stillen Triptychen, die in der typischen Öl-Tempera-Mischung Landschaften wie aus dem Nichts auftauchen lassen unter einem subtil-farbigen Himmelsgebilde. Gerade in Verbindung mit den beiden Metall-Skulpturen von Gerlinde Beck, die zwei der Dreier-Werke im Eingangsbereich flankieren, entsteht hier ein besonders spannender Kunst-Moment. Anina Grögers Bilder verführen zur Interpretation, ohne sich festlegen zu lassen. So auch die größte Arbeit der Ausstellung: 1,50 mal 3,80 Meter groß lädt sie zum Rätseln ein. Da scheint man einen See und Bäume zu entdecken, jedoch die Spiegelungen im Wasser zeigen anderes. „Formerfindungen“, nennt das die Pforzheimerin, wie Ping Qiu ehemalige Stipendiatin im Kleinen Markgräfler Hof in Basel und des Yatooi-Artist-Programms in Gongju in Südkorea.

Die in Wuhan geborene Chinesin Qiu lebt bereits seit 1988 in Berlin und hat sich mit ihrer Kunst doch der Heimat verschrieben. Denn ihre Ton-Skulpturen erinnern an archaische Vasen und Gefäße, wie sie bei Ausgrabungen im Reich der Mitte gefunden wurden. Doch Ping Qiu hat sie in eine universelle Sprache übersetzt, zeigt mit ihren Skulpturen auf, wie nahe sich die Kulturen doch in ihrem Ursprung sind. Da erinnern die weiblichen Hintern und Brüste an die Eiszeit-„Venus vom Hohlen Fels“ oder an frühe aztekische Arbeiten. Waren die Werke zu Beginn noch geöffnet, so sind die Skulpturen aus rotem und weißem Ton nun geschlossen – mehr Figur als Gefäß. Und mit einem Dreh bezieht sie – bei genauem Hinschauen – auch das männliche Element in ihre Arbeiten ein: mit ganz speziell geschwungenen Gefäßhenkeln.