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Großformatig: Das Gemälde „Der Viehhändler“ aus dem Jahr 1912, das in der Ausstellung im Kunstmuseum Basel zu sehen ist, ist über zwei Meter breit. Foto: Julian Salinas
Großformatig: Das Gemälde „Der Viehhändler“ aus dem Jahr 1912, das in der Ausstellung im Kunstmuseum Basel zu sehen ist, ist über zwei Meter breit. Foto: Julian Salinas
23.09.2017

Ausstellung in Basel zeigt Marc Chagall mit Tiefgang

Basel. „Aufbruch in den Krieg“, „Abschied nehmende Soldaten“ – Zeichnungen mit solchen Titeln bringt man nicht gerade mit dem Malerpoeten Marc Chagall (1887–1985) in Verbindung. Träumerische Motive, kräftige Farben, fliegende Menschen, Blumensträuße – das ist der vertraute Chagall. In der Ausstellung „Chagall – die Jahre des Durchbruchs 1911–1919“ befasst sich das Kunstmuseum Basel jetzt mit seiner frühen Schaffensphase. Die Tuschezeichnungen mit den Kriegsmotiven stammen von 1914.

„Chagall-Ausstellungen gibt es – ich will nicht sagen: wie Sand am Meer, aber doch viele. Diese hier ist aber etwas Besonderes,“ sagt Chagalls Enkelin Meret Meyer. Sie sieht das politische Bewusstsein ihres Großvaters gewürdigt, die „delikate Stärke“, mit der seinen visionären Empfindungen herausgearbeitet sind.

„Es steht natürlich jedem frei, zu sehen, was er sehen will. Aber auch die Blumensträuße sind nicht einfach hingekleckst, sondern genau überlegt.“ Meyer ist Vizepräsidentin des Pariser Comité Chagall, das sich um das Vermächtnis kümmert. Sie wuchs in Basel auf, weil ihre Mutter Ida, Chagalls Tochter, den einstigen Direktor des Kunstmuseums, Franz Meyer, geheiratet hatte.

Dass Chagalls Werke keiner träumerischen Spontaneingebung entspringen, belegt die Ausstellung, indem sie Vorstudien neben vollendeten Werken zeigt. Die Ausstellungsmacher verweisen auf versteckte Motive: ein Tintenfass auf dem Dach, ein Hausierer, der über Häuser geht. Das seien so etwas wie kleine Rätsel, die oftmals auf jüdische Redewendungen zurückgingen. Die vielen Selbstporträts zeigten, dass Chagall sich auch selbst immer wieder in Frage gestellt habe.

Der, der keine Heimat hatte: der Luftmensch, dem der Boden unter den Füßen weggezogen wurde, das ist ein typisches Motiv. „Die tragische Situation des Ausgestoßenen verarbeitet Chagall durch Schwerelosigkeit, Leichtigkeit, Pfiffigkeit, (Selbst-)Ironie“, sagt Historiker Heiko Haumann. Auch sich selbst und seine Frau Bella sowie Ida malt Chagall als Fliegende über Witebsk, seinem Geburtsort. Stadt und Städel sind ein unerschöpflicher Ideenpool für seine Sujets: Bauersleute, Tiere, Kutschwagen, der Dorfladen seiner Mutter, oft bunt und verspielt. Wie es wirklich war, zeigen hier Fotografien aus der Zeit.

PZ-Fahrt nach Basel

PZ-Leser haben Gelegenheit zum Besuch der Ausstellung anlässlich der Basel-Fahrt zur Klee-Ausstellung in der Fondation Beyeler in Basel-Riehen am Mittwoch, 1. November. Anmeldung unter Telefon (0 72 31) 30 22 12. Die Chagall-Ausstellung dauert bis 21. Januar. Sie ist täglich außer montags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. www.kunstmuseumbasel.ch