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Stöbern im Archiv der Hochschule: die Studierenden Lada Klats, Helen Spiegelhalter, Victor Hahner, Susanne Schneider (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Gestaltung) und Lingjie Wang (von links). Foto: Meyer
Stöbern im Archiv der Hochschule: die Studierenden Lada Klats, Helen Spiegelhalter, Victor Hahner, Susanne Schneider (wissenschaftliche Mitarbeiterin der Fakultät für Gestaltung) und Lingjie Wang (von links). Foto: Meyer
Guillochierter Armreif mit dazugehöriger, schlichter Archivkarte. Foto: Meyer
Guillochierter Armreif mit dazugehöriger, schlichter Archivkarte. Foto: Meyer
Diese Kette des Studenten Blatsch zeigt deutliche Verweise auf Professor Reiling. Foto: Meyer
Diese Kette des Studenten Blatsch zeigt deutliche Verweise auf Professor Reiling. Foto: Meyer
Brosche (1967) von Michael Zobel, heute renommierter Designer in Konstanz. Foto: Meyer
Brosche (1967) von Michael Zobel, heute renommierter Designer in Konstanz. Foto: Meyer
Die Ausstellung zeigt nur ein Paar Ohrringe, die damals offenbar eher selten im Blickfeld der Studenten standen. Foto: Meyer
Die Ausstellung zeigt nur ein Paar Ohrringe, die damals offenbar eher selten im Blickfeld der Studenten standen. Foto: Meyer
Experimentelle Broschen von Jan Tempelmann aus den 1970er-Jahren. Foto: Meyer
Experimentelle Broschen von Jan Tempelmann aus den 1970er-Jahren. Foto: Meyer
23.11.2017

Ausstellung in Hochschule präsentiert Schmuck-Unikate aus den 1960er- und 1970er-Jahren

Pforzheim. Sie haben Patina, sind echte Zeitzeugen und regen zum Vergleich mit heutigem Schmuckdesign an: Broschen, Ringe und Anhänger aus den 1960er- und 1970er-Jahren, die seither in den Archivschränken der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim ruhen. Studenten haben aus mehr als 100 Stücken 50 besonders prägnante ausgewählt, die repräsentativ für ihre Zeit sind. Am Donnerstag eröffnet der Studiengang Schmuck um 18 Uhr die Ausstellung „before us“ mit Einzelstücken aus der Sammlung der Fakultät.

Einige der Arbeiten werden in Vitrinen ausgestellt, andere tragen die Studierenden direkt am Körper. „Die differenzierte Sichtweise zwischen klassischem Juwelenschmuck und ganz modernen Materialien und Techniken sticht sofort ins Auge“, sagt Professor Andi Gut, Studiengangsleiter Schmuck der Fakultät für Gestaltung. Er setzt sich seit Jahren dafür ein, dass die Studenten mit alten Techniken vertraut werden.

In der Schau erinnern Blechabwicklungen und Steinfassungen an klassisches Juwelier-Goldschmieden. Präsentiert werden auch schöne Reminiszenzen an die 1920er-Jahre. Visionär muten die Broschen und Ohrringe mit Plexiglas an. „Damals haben die Studenten am traditionellen Schmuckbegriff sehr festgehalten, aber auch durch ihre Experimentierfreude an Material oder Technik den Weg für neue Sichtweisen der Schmuckgestaltung geebnet“, fasst Susanne Schneider, die das Projekt als wissenschaftliche Mitarbeiterin begleitet, die unterschiedlichen Aussagen der Ausstellung zusammen.

Tradition und Technik

Ebenfalls zu sehen: guillochierter Schmuck. Student oder Studentin Hörnle hat diese Manufaktur-Technik 1960 für Armreifen genutzt. Obwohl die Ausstellung zu den Objekten die passenden Archivkarten platziert, lässt sich wenig erfahren. Die Zettel geben spärlich Auskunft über die Art des Schmucks und das verwendete Material. Die Gestalter sind nur mit ihren Nachnamen zu lesen, die Betreuer der Arbeiten gar nicht. „Bei einigen sind die Handschriften der Lehrer allerdings erkennbar.“ Andi Gut zeigt eine Kette des Studierenden Blatsch. Der Anhänger ist mit senkrechten Linien und Streifen versehen – ein deutlicher Verweis auf Professor Reinhold Reiling, der damals an der FHG lehrte.

Auch Arbeiten heute bedeutender Schmuckkünstler sind zu sehen. Von Michael Zobel zum Beispiel, Designer mit Atelier in Konstanz. „Damals hat die Schule den Studierenden das Material gestellt. Folglich gingen die Ergebnisse in den Besitz der Hochschule über“, erklärt Gut. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass die Schmuckstücke in der Ausstellung gezeigt werden können.

Organisiert haben die Präsentation die Studierenden aus dem dritten Semester des Studiengangs Schmuck mit Susanne Schneider. Die Objekte werden bewusst so gezeigt, wie sie vorgefunden wurden, mit reichlich Patina. „Unser Studiengang hat eine lange Tradition. Mit ,before us’ nehmen wir Dinge, die vor unserer Zeit gemacht wurden, wahr und ernst“, sagt Schneider, die ebenfalls an der Holzgartenstraße studiert hat.

Für die Studenten ist das Projekt auch eine Übung im Ausstellungsdesign. Sie beschäftigen sich mit der Geschichte der Hochschule, sortieren alte Diplomarbeiten, überlegen sich, wie sie den Schmuck zeigen und die Exponate beschriften wollen. Nach anfänglicher Skepsis empfinden sie das Vorbereiten der Ausstellung, das Graben in den Archiven und das Beschäftigen mit Tradition und Technik als sehr aufschlussreich, als belebenden Schritt in die Vergangenheit. „Es ist spannend, zu sehen wie sich das Design verändert hat – und gleichzeitig auch das Handwerk“, sagt Helen Spiegelhalter. „Heute verwenden wir weniger Metall, weniger Stein.“

Ihre Mitstudentin Valentina Michaelis sieht das ähnlich: „Die Arbeiten sind zum Teil sehr goldschmiedelastig, unsere heutigen wirken dagegen viel experimenteller.“ Eine Kette hat sie besonders beeindruckt. Sie besteht aus verschieden großen Gliedern, die mit einem Stift verbunden sind. „Sie hat eine tolle Optik. Ich kann mir gut vorstellen, mit dieser Technik weiterzuarbeiten.“ Dieses Objekt wird sie zur Eröffnung der Ausstellung selbst tragen.