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08.07.2016

Ausstellung in Köln zeigt Michelangelos Fresken in Nachbildungen.

Köln. Metallisch klingen die Schritte des Museumsbesuchers auf der Treppe in dem abgedunkelten Raum. Auf einem Baugerüst angekommen, blickt er von oben herab auf Reproduktionen weltberühmter Kunst: Michelangelos Deckengemälde aus der Sixtinischen Kapelle. „Es ist wie ein sehr, sehr großes Bilderbuch eines Riesen, das vor den Zuschauern ausgebreitet wird“, sagt Kurator Ingo Langner vor Beginn der Ausstellung „Der andere Blick“ im Kölner Odysseum.

So nah wie in der Domstadt am Rhein kam der Betrachter Michelangelos Fresken vielleicht noch nie: Nur knapp zwei Meter vom Museumsgast entfernt, sind die Nachbildungen zu sehen – auf dem Boden. Im Vatikan befinden sich die Originalfresken in mehr als 20 Metern Höhe an der Decke der Sixtinischen Kapelle. In Köln ermögliche die Nähe zu den Gemälden eine genauere Betrachtung, erklärt Langner. Auf den Reproduktionen aus Stoff könne man Details erkennen, die sonst nur schwer zu sehen seien. Außerdem müsse der Besucher „nicht die ganze Zeit den Kopf in den Nacken legen“.

Doch warum steht der Betrachter auf einem rustikalen Baugerüst und nicht etwa auf einer Bühne oder Empore? Christina Marotzke, die als Produzentin an der Ausstellung mitgewirkt hat, erklärt: „Die Sixtinische Kapelle ist in ewiger Restaurierung, und wir hatten die Idee: Wir schaffen eine ähnliche Szenerie.“ Zudem erstellte auch Michelangelo seine Fresken auf einem Gerüst.

Auch andere Künstler

Zwischen 1508 und 1512 arbeitete der italienische Maler und Bildhauer an den aufwendigen Deckenmalereien. Neben den weltbekannten Gemälden wie „Die Erschaffung Adams“, auf dem sich die Finger von Adam und Gott fast berühren, werden in Köln auch Nachbildungen von Werken anderer Künstler aus der Sixtinischen Kapelle gezeigt. „Das waren die Bilder, die Michelangelo vorgefunden hat, als er begonnen hat, die Decke zu bemalen“, sagt Kurator Langner. Insgesamt sind 34 Motive von Michelangelo sowie 14 weitere Wandgemälde aus dem berühmten Gotteshaus in fast originalgetreuer Größe zu sehen – und aus einer ganz besonderen Perspektive.