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Auf insgesamt drei Museen ist die große Nero-Ausstellung verteilt. Sie will das Schreckensbild des Kaisers relativieren – und einen differenzierteren Umgang mit ihm anregen.  tittel
Auf insgesamt drei Museen ist die große Nero-Ausstellung verteilt. Sie will das Schreckensbild des Kaisers relativieren – und einen differenzierteren Umgang mit ihm anregen. tittel
Nero hatte viele Gesichter – in Trier gibt es eine große Zahl davon zu sehen.
Nero hatte viele Gesichter – in Trier gibt es eine große Zahl davon zu sehen.
Insgesamt 150 000 Besucher werden bis zum Oktober in Trier erwartet.
Insgesamt 150 000 Besucher werden bis zum Oktober in Trier erwartet.
Diese Bronzebüste des Kaisers stammt aus dem Pariser Louvre.
Diese Bronzebüste des Kaisers stammt aus dem Pariser Louvre.
25.05.2016

Ausstellung in Trier zeigt viele Facetten des umstrittenen Herrschers

Selten ist man Nero so nahe gekommen: Hier steht ein Trinkgefäß aus Bergkristall, aus dem der römische Kaiser vor fast 2000 Jahren Wein getrunken hat. Da sind edle Wandmalereien, die der Herrscher in seinem goldenen Palast selbst gesehen hat. Und dort ist eine wörtliche Rede von ihm in Stein gemeißelt. Wohl noch nie ist über Nero so viel zusammengetragen worden wie zur Ausstellung „Nero – Kaiser, Künstler und Tyrann“ in Trier: fast 800 Objekte aus 21 Ländern. Die erste Nero-Schau in Mitteleuropa wird bis zum 16. Oktober in drei Museen zu sehen sein. Rund 150 000 Besucher werden erwartet.

„Das ist wirklich die Königsklasse an Exponaten, die es zu Nero gibt“, sagt der Direktor des Rheinischen Landesmuseums Trier, Marcus Reuter. Dazu gehört beispielsweise eine Marmor-Statue aus dem Museum im Louvre in Paris, die Nero als Jugendlichen zeigt: „Sie hat eine Versicherungssumme von neun Millionen Euro“. Hinzu kommen Porträts, Skulpturen, edle Objekte aus Silber und Gold. Zu den 165 Leihgebern gehören Top-Adressen vom British Museum in London bis zu den Vatikanischen Museen in Rom.

Mit Klischees brechen

Nero nahekommen – das heißt für die Macher der Ausstellung auch, mit alten Klischees aufzuräumen. Nero sei als Brandstifter von Rom, Muttermörder und Christenverfolger in die Geschichte eingegangen, sagt Reuter. Der umstrittene Herrscher sei aber auch Künstler, Architekt und Reformer gewesen. Die Schau werfe auf der Grundlage von neueren Forschungsergebnissen „einen differenzierteren Blick“ auf den Kaiser, sagt Reuter, dessen Haus Hauptstandort der Schau ist.

Heute wisse man, dass Nero Rom gar nicht angezündet habe. Auch das Bild des Christenverfolgers müsse „leicht korrigiert werden“, sagt der Leiter des Museums am Dom, Markus Groß-Morgen. „Nero hat die Christen nicht aus religiösen Motiven verfolgt, sondern als Akt der Machterhaltung.“ Damit habe er nach dem Brand vom Verdacht, er habe das Feuer gelegt, ablenken wollen – die Christen seien der „ideale Sündenbock“ gewesen.

Einblicke in Neros Leben in Saus und Braus – die bekommen Besucher reichlich. Ein Nachbau seines achteckigen Speisesaals mit Kuppeldach im goldenen Haus sowie Vitrinen voller Tafelsilber lassen Luxus und Dekadenz erahnen. „Da war Nero aber ein Kind seiner Zeit, das war bei der ganzen Oberschicht damals üblich“, erzählt Reuter. Auf dem Speiseplan standen unter anderem mit Honig und Mohn überbackene Siebenschläfer, Flamingozungen und gefüllte Haselmäuse.

Nero als Sänger und Schauspieler – auch dies ist eine Seite des Herrschers. Er sei begabt gewesen, habe als Kind schon gedichtet und gesungen. „Politik war eigentlich nicht so sein Ding“, sagt Reuter.

Reichlich dunkle Seiten – die hat Nero auch gehabt. Er ließ zig Menschen töten oder trieb sie in den Selbstmord, sagt Reuter vor einer kopflosen Statue, über der die Namen von Opfern Neros eingeblendet werden. Die Taten habe er zum Machterhalt begangen. Im Vergleich mit anderen römischen Kaisern liege er bei der Zahl seiner Opfer im Mittelfeld. Den Muttermord, den habe aber nur er verbrochen.

Das Interesse im Vorfeld sei „riesig“. „Es scheint bei Nero einen großen Wissensdurst zu geben“, sagt Reuter. „Mit Nero verbindet jeder etwas“, so die Direktorin des Stadtmuseums Simeonstift, Elisabeth Dühr. Nur etwas Gutes ist das selten.