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Sebastian Seibel (rechts) im Gespräch mit PZ-Chefredakteur Magnus Schlecht, Autorin Stefanie Neuhäuser und Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch (von links).
01.10.2015

Ausstellung mit Fotografien von Sebastian Seibel eröffnet: Tief in die Seelen blicken

So viel geballter Kunstverstand ist bei Ausstellungseröffnungen eher selten anzutreffen: Maler und Bildhauer, Fotografen und Literaten, Musiker und Designer, Schauspieler, Sänger und Tänzer – die Ausstellung „Blickwechsel“ von Sebastian Seibel hat sie alle ins Foyer des Kulturhauses Osterfeld gelockt. Sie und viele Dutzend weitere Freunde der Fotokunst des PZ-Bildredakteurs. Denn Seibel hat 37 Künstlern aus Pforzheim und der Region eine ganz eigene Stimme verliehen – eine ausdrucksstarke, vielfältige, bewegende.

Bildergalerie: Fotoausstellung "Blickwechsel" von PZ-Fotograf Sebastian Seibel

Sicher: Seibels Fotografien sind formal herausragend, spiegeln eine große Sicherheit im künstlerischen Umgang mit seinem Metier wieder. Doch was viel wichtiger ist: Seine Fotografien lassen tief blicken, in die Seelen der Porträtierten, in das, was sie antreibt, fordert, erfreut. Da wird deutlich, wie körperlich anstrengend es sein kann, grazile, höchst ästhetische Skulpturen zu schaffen, da entlarvt sich manch’ kleine Eitelkeit, schimmert ab und zu ein feiner Humor durch, da zeigt sich viel Offenheit und auch Mut. Die Bilder des gebürtigen Kasselers, der seit 16 Jahren für die „Pforzheimer Zeitung“ arbeitet, sind still, tiefgründig, regen zum Nachdenken, zum Verweilen an. Sind sein Kontrastprogramm: „Im Herzen des Fotografen Sebastian Seibel schlummert bei aller Leidenschaft für den PZ-Alltag immer auch eine große Sehnsucht nach einem Blickwechsel. Raus aus dem Wahnsinn des termin- und nachrichtengetriebenen Crossmedia-Kosmos, rein in die entschleunigte Welt einer selbst kreierten Fotoserie“, sagt Chefredakteur Magnus Schlecht bei der Eröffnung.

Und so entstanden in den vergangenen zwei Jahren Bilder, die die Zeit überdauern: „Schwarzweiß-Aufnahmen, die sich wohltuend abheben vom Allerweltsbunt der täglichen Medienflut“, beschreibt Kunsthistorikerin Claudia Baumbusch. Fast schon puristisch dargeboten sind die auf Alu-Dibond gedruckten Porträts, ohne Rahmen ohne Passepartout, lediglich von kurzen biografischen Texten flankiert, die von Osterfeld-Mitarbeiterin Stefanie Neuhäuser verfasst wurden. Eine fast franziskanische Strenge walte in ihnen, sagt Baumbusch, „die den Blick auf das Wesentliche lenkt: den Künstler und sein Schöpfertum, eingebettet in eine klar durchdachte und doch behutsame Inszenierung.“

Die meisten Fotografien entstanden mit dem vorhandenen Raumlicht, einige wenige in freier Natur. Meist nach einem zuvor von Seibel erdachten Setting, manchmal auch nach einem speziellen Wunsch des Künstlers, wie etwa das Bild von Schauspieler Markus Löchner, den Seibel beim Licht einer Kerze im Irish Pub nachdenklich und mit Zigarette in der Hand festhält.

Ganz individuell nehmen die Porträtierten Kontakt mit dem Betrachter auf – oder meiden ihn. Da blickt die jungen Pianisten Magdalena Müllerperth ihrem Gegenüber strahlend lächelnd in die Augen, da schaut der Grafiker Axel Hertenstein versonnen aus dem Fenster seines Ateliers, da stellt sich Architekt Peter W. Schmidt mit verschränkten Armen selbstbewusst der Kamera. Sängerin Lilian Huynen zeigt stolz ihre Tattoos und Maler Harald Kröner erscheint zurückgenommen, reflektierend in der Spiegelung einer seiner neuen Lackarbeiten. Bilder, die Geschichten von Menschen erzählen, Fotografien, in die es einzutauchen lohnt. Übrigens immer samstags auch im Magazinteil der PZ.