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Margret Schmid und Marcel Hager beim Aufbau der Ausstellung ihres Vaters Wilhelm Hager. Foto: Pfäfflin
Margret Schmid und Marcel Hager beim Aufbau der Ausstellung ihres Vaters Wilhelm Hager. Foto: Pfäfflin
28.10.2016

Ausstellung mit eindringlichen Bilder aus Zeiten des Krieges

Neulingen. „Man kann eben Kunst, wo sie wahr und rein sein soll, nicht zur Hure der Politik machen“, schreibt Wolfgang Hager Anfang 1944 in sein Kriegstagebuch. Und malt – ganz in expressionistischem Duktus – sein Selbstporträt als Soldat in Uniform mit resigniertem Blick und ausgezehrtem Gesicht.

„Hanswürste“ nennt er seine Vorgesetzten bei der Wehrmacht – und riskiert damit sein Leben. Hager ist gerade mal 23 Jahre alt, nach einer Verwundung zu einer Nachrichteneinheit am Gardasee abgeordnet. Der junge Böhme malt, wie er eigentlich nicht darf, kennt Kunst und Künstler, die als entartet gelten. Ein spannendes Kapitel im Leben des renommierten Malers und Bildhauers, das jetzt erstmals eine Ausstellung bei Buslat aufblättert.

Sohn Marcel hat das Tagebuch des Vaters in einem Büchlein veröffentlicht, gemeinsam mit seinen Geschwistern Margret und Wolfgang die Schau auf dem Katharinenthaler Hofgut kuratiert „Werk und Beiwerk 2“ ist der Titel der Ausstellung und rekurriert damit auf eine Schau in der Illinger Kelter im Jahr 2007 – ein Jahr nach dem Tod Hagers. Auch im Schauraum der Künstlergilde will die Ausstellung eine Art Arbeitsatmosphäre hervorzurufen, durch kleine Bronzen, die scheinbar spontan auf Holzpaletten präsentiert werden, durch Gipsmodelle und Abgussformen, die den Arbeitsprozess schildern. Durch 55 Gemälde und Zeichnungen sowie 25 Skulpturen, die einen Bogen über ein höchst erfolgreiches Kunstschaffen aus rund 60 Jahren schlagen. Und eine Vielfalt von Techniken – exemplarisch an einer Ausstellungswand abzulesen –, die von Aquarell bis Lackbild, von figurativ bis informell reichen und aufzeigen, dass Wilhelm Hager – egal welches Material er verwendete – seiner Handschrift treu geblieben ist.